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Tag 1 -Berufswunsch Umzugsunternehmer

Es ist „Vater-Tochter-Zeit“. Seit Freitag Mittag ist meine „Lütte“ wieder bei mir. Diesmal bleibt sie bis Mittwoch. Sonst immer nur bis Dienstag. Aber vielleicht bin ich gerade den dritten Schritt vor dem ersten und dem zweiten gegangen. Daher mal einmal zurück gespult.

Das Thema heute ist die „Besuchszeit“ oder auch „Umgangszeit“. Die Begriffe sind schon an sich fürchterlich. Die Regelungen und Variationen dieser sind es oftmals noch mehr. Wir haben zur Zeit folgende Regelung getroffen: jeden zweiten Freitag hole ich meine Tochter von der Schule ab und sie bleibt dann bis Dienstag früh bei mir. Am Dienstag nach der Schule holt sie dann die Mutter wieder von der Schule ab. Danach holen sie gemeinsam ihre Sachen aus meiner Wohnung, denn für diese 4 Tage bei mir betreibt mein Töchterchen mittlerweile jedes Mal einen kleinen Umzug. Und das liegt nicht daran, dass sie hier nichts hätte. Oftmals denke ich, dass sie hier mehr Kleidung (zumindest passende) als bei ihrer Mutter hat. Und warum gibt es den Begriff „Besuchszeit“, wenn mein Kind bei mir ist? Kennt ihr dieses Bild aus den amerikanischen Serien, in denen ein Nebendarsteller vom Hauptdarsteller im Gefängnis besucht wird. Mit Glasscheibe und altmodischem, kabelgebundenen Telefon zur Kommunikation? Das ist Besuchszeit! Und irgendwie passt die Parallele mehr als ich anfangs dachte. Auch wir Väter warten oftmals mehrere Wochen, dass wir endlich Besuch von unseren geliebten Kindern bekommen, sind dankbar über die „Gnade“ des Besuchs und versuchen in der Zeit möglichst viel der verlorenen Zeit aufzuholen. Das an sich ist schon zum Scheitern verurteilt, denn das Leben ist ja bekanntlich kein Wettrennen und Zeit kann man nicht aufholen (Memo an mich selbst: Nicht nur tippen sondern auch im Leben umsetzen!) Und gleichzeitig wissen wir auch, dass wir uns in der „Besuchszeit“ von unserer besten Seite zeigen sollten, denn wenn wir unsere Kinder verschrecken, kommen sie vielleicht beim nächsten Mal nicht wieder. Denn wir sind darauf angewiesen, dass sie gerne zu uns kommen. Wir haben zwar ein Umgangsrecht aber jetzt mal ehrlich. Wer das durchsetzen muss, der hat keine entspannte Minuten mit seinen Kindern, oder? Also, sitzen wir Väter mehr „im Knast“ als uns lieb ist. Und nur gute Führung wird belohnt!

 

 Am letzten „Besuchswochende“ - ab sofort werden ich den Begriff „Papawochenende“ hier etablieren - hat sich für mich endlich der Umzug geklärt. Es ging aber auch, wie so oft, nur unter Tränen. Der Abschied von hier fiel meiner Tochter mal wieder besonders schwer. Und da lag sie unter Tränen auf ihrem Bett und war mit ihrem Leben einfach nur unglaublich unzufrieden. Und dann kam es auch endlich heraus: „ Immer wenn ich bei Dir bin, vermisse ich die Sachen, die ich bei Mama habe und immer wenn ich bei Mama bin, vermisse ich die Sachen, die ich bei Dir habe. Und deswegen nehme ich die Sachen halt einfach immer mit.“

 

Es kann so einfach sein…..und gleichzeitig so schmerzhaft. Und es sagt so viel über das Gefühlsleben meines Töchterchens! Und es hat mich unendlich traurig und hilflos gemacht. Denn der eigentliche Umzug war mein Auszug…….

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