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Tag 2 - Manchmal einfach mal Schildkröte sein

Heute ging es mit der gesamten Patchworkbande in den Zoo. Das Wetter sollte gut werden und für mich ist der Besuch im Zoo immer mit „heiler Welt“ verbunden. Ich denke, so einen Ort hat wahrscheinlich jeder. Einen Ort, in dem das Familienherz bis zum Hals schlägt, wo man das Gefühl hat, einfach glücklich sein zu müssen. Ein Ort, in dem man das erste Mal besonders bewusst bemerkt, wie sehr sich andere Paare anzicken und wie genervt sie in ihrer Situation sind. Das sieht man besonders, wenn man selber plötzlich als Single Vater mit seiner Tochter dort ist. Ich geniesse wirklich jede Minute, denn ich muss ja keinerlei Kompromisse eingehen bei meinem Besuch. Es gilt nur, die Zeit mit meinem Töchterchen zu geniessen. Und dann fest zu stellen, dass ich mich doch nach einer Partnerin an meiner Seite sehne. Dass ich nicht nur als Vater diesen Ort der „heilen Welt“ besuchen will, sondern auch als Mann und Partner. Und manchmal will man ja auch einfach nur knutschen und sich wieder wie 14 fühlen.

Heute nun ist es endlich soweit. Die Tickets sind vorab gekauft, das Wetter spielt mit, es kann ja eigentlich nur ein großartiger Tag werden. Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die diese tolle Idee hatten. Am Ende schieben wir uns durch den Rundgang, sind schwer damit beschäftigt, unsere drei Kinder nicht zu verlieren und sind dann doch wieder „Eltern“. Und von dieser romantischen Stimmung als verliebtes Paar überlebt an dem Nachmittag nicht wirklich viel. Wie auch, wenn man ständig die Balance halten muss. Wenn man ständig damit beschäftigt ist dafür zu sorgen, dass bloss keins der drei Kinder sich zurück gesetzt fühlt.

Und am Ende passiert es. Am Ende gibt es diesen einen Moment, der die Stimmung endgültig zum Kippen bringt. Und manchmal sind es die Kleinigkeiten, nicht wahr? Am Ende dreht es sich dann doch wieder nur um….Weingummi.

Denn der Stand mit dem Weingummi ist einfach nicht mehr da! Ein Skandal! Wer kennt das nicht? Für meine 11jährige bricht eine Welt zusammen. Darauf hatte sie sich den ganzen Tag gefreut. Ja, auf überteuertest, abgestandenes Weingummi. Egal, gibt ja andere Souvenirs. Aber da kommt das nächste Problem. Das iPad ist kaputt und somit spart sie eigentlich ihr Taschengeld für eine Reparatur. Somit kann sie sich nicht mir ruhigem Gewissen anderen Plunder kaufen. Und als die Stimmung auf dem Tiefpunkt ist, erfahre ich dann auch, dass ich ja eigentlich schuld bin, weil ich das iPad nicht repariere. Okay, sie hat gesagt, sie wolle ihre Mutter fragen aber trotzdem. Die Wut und Traurigkeit ist so groß und ich bin die Zielscheibe. Ich bin an allem schuld.

Wir quälen uns noch eine Stunde durch den Nieselregen, meine Tochter zieht das passende Gesicht, die Jungs sind völlig irritiert, weil sie den plötzlichen Stimmungsumbruch so gar nicht verstehen können. 

 

Und da denke ich an die Schildkröten, die wir gesehen haben. Sie liegen einfach als „Gruppe“ zusammen unter der Wärmelampe und bewegen sich gar nicht. Sie schenken sich Wärme, Ruhe und Sicherheit. Dabei haben sie doch ihren dicken Panzer. Sie haben die Möglichkeit sich jederzeit in den schützenden Panzer zurück zu ziehen. Einfach so. Sie brauchen die anderen doch gar nicht. Aber machen Sie es in der Gemeinschaft? Nein, sie liegen gemeinsam, zum Teil sogar übereinander und gönnen es den anderen, noch näher an der wohligen Wärme zu sein. Manchmal sollte man einfach mehr Schildkröte sein….

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