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Tag 4- "Screaming Mimi" bleibt am Boden

Kennt ihr noch das „Trio mit vier Fäusten“? ZDF um 17:50 Uhr? Ich habe die Serie geliebt. Und ich glaube, dass die drei Kerle ein Stück weit das Männerbild unserer Generation geprägt haben. So wie Colt Seavers oder Magnum. Und ob man nun Cody oder Nick sein wollte, das war egal. Aber niemals wollte man Murray sein, wobei, eigentlich wollte man doch auch ein klein wenig ein Nerd sein, oder? Und jedes Mal, wenn dieser Monsterhubschrauber „screaming Mimi“ abhob, hat man insgeheim die Daumen gedrückt, dass sie nicht abstürzt. Also ich zumindest.

 

Heute aber blieb bei mir „Mimi“ am Boden, denn mein Töchterchen hat den Weg zur Schule und auch wieder zurück mit dem Rad bewältigt. Trotz des grauen Himmels und Regen. Und erstaunlicher Weise startete der Morgen gar nicht mit Gemecker. Erst kurz vor der Abfahrt ging es los. Aber ich bin hart geblieben. Hart zu mir und nicht zu meiner Tochter, denn ich habe ihr mein Vertrauen geschenkt. Und was kann es schöneres in der Kindheit geben als zu spüren, dass einem die Eltern etwas „zutrauen" und „vertrauen" schenken. Und wie habe ich mich gefühlt? Stolz war ich, als sie da auf ihrem Rad mit dem Ranzen auf den Rücken einfach los radelte ohne sich umzudrehen. Und hatte ich Sorgen und Angst? Ehrlich? Nein, kein Stück. Warum auch? Sie ist mit ihren 11 Jahren doch schon groß.

 

Bin ich aber jetzt ein schlechterer Vater als all jene, die morgens vor der Arbeit noch den Umweg zur Schule nehmen? Nein! Und jetzt kommt der größte Gedankenfehler, der mich bisher immer wieder dazu gebracht hat, mich anders zu verhalten: Ich dachte, dass ich etwas für mein Kind tue, in dem ich sie zur Schule bringe. Ich investiere Zeit & Benzin und bin bei ihr. Und ich dachte, dass ich ihr damit zeige, dass sie mir wichtig ist und ich als ihr Vater auch Verantwortung für sie übernehme und mich kümmern kann. Sie sollte spüren, dass es ihr bei mir nicht schlechter geht, als bei ihrer Mutter. Und da ist er wieder, der Wettbewerb zwischen den getrennten Eltern. Da hat er sich einfach so durch die Hintertür rein geschlichen und gleichzeitig dafür gesorgt, dass ich meiner Lütten weniger zugetraut habe. Das bedeutet, dass dieser stille Wettbewerb zwischen den Eltern nicht nur wahnsinnig viel Energie bei uns Eltern kostet, sondern auch unsere Kinder einengt und beschränkt. Aus einer völlig falschen Motivation.

 

Spannend wurde es dann aber natürlich nochmal zum Schulschluss. In der Vergangenheit habe ich mich immer wieder dabei erwischt, dann doch alle 2 Minuten auf den Balkon zu gehen und die Straße in Richtung Schule zu spähen. Ja, teilweise sogar verdeckt, damit sie mich auf keinen Fall sieht, denn sie sollte ja meine Sorge nicht bemerken. Bescheuert, oder? Ein 43jähriger Mann versteckt sich auf seinem Balkon und hält nach seiner Tochter Ausschau.

Und natürlich habe ich eine innere Unruhe verspürt als der Zeiger langsam Richtung Schulschluss wanderte. Aber ich war mit Kochen beschäftigt und hörte somit nur plötzlich, dass sich der Schlüssel in der Tür drehte. Und da war sie schon. Viel früher als geplant. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Zufrieden. Glücklich. Stolz auf sich selbst. Aber auch mit einer Selbstverständlichkeit, dass das Ganze gar nichts besonderes war. 

 

 

Natürlich werden doch wieder Zweifel aufkommen. Spätestens morgen früh. Denn dann holt Ihre Mutter sie mittags von der Schule ab. Also keine Fahrt mit dem Rad zur Schule. Also zu Fuß? Schenke ich ihr die Freiheit? Schenke ich ihr die frische Luft? Schenke ich ihr das Vertrauen und bin damit einfach „anderes“ als ihre Mutter und befreie mich von dem ständigen Wettbewerb, der ja auch nur in meinem Kopf statt findet? Ich hoffe schon.

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