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Tag 6 - Enjoy the silence - Ach Dave, wenn Du wüsstest....

Gestern wurde meine Tochter von ihrer Mutter abgeholt. Das bedeutet, dass die Stille wieder eingezogen ist. Das klingt banal, ist es aber für einen Patchworkvater ganz und gar nicht. Keine Sorge, das wird hier kein Mitleids-Beitrag. Aber auch diese Sichtweise will ich mal beleuchten, denn oftmals liest man nur von der Überlastung der Alleinerziehenden. Bitte nicht falsch verstehen: Alleinerziehend zu sein ist die Hölle. Das weiß ich. Und ich weiß wie es ist, wenn man sich eine Woche zwischen Job und Kind zweiteilen muss. Und ich spreche hier nur von einer Woche oder wenn es mal ganz extrem wurde von zwei Wochen. Alleinerziehende auf Dauer ist dann aber noch ein ganz andere Nummer. Und alle Mütter und Väter die dies tun, haben meinen größten Respekt!

Aber wie ergeht es denn uns? Den Vätern? Denen, die noch die eigene Wohnung für die kleine Familie aufrecht erhalten, die keine neue Partnerin haben oder aber aus welchen Gründen auch immer nicht mit ihr zusammen ziehen wollen oder können. Für uns heißt es auch jedes Mal „Abschied nehmen“. Von den Menschen, die wir am meisten lieben. Sie „wieder her geben“. Ich frage mich immer wieder, warum so viele Väter deutlich weniger Kontakt zu ihren leiblichen Kindern haben. Und ich denke auch dies ist ein Grund. Der ständige Abschied. Immer und immer wieder. Groundhog day! 

Und dann? Dann kommt die Stille. Kein Kinderlachen, keine Hörbücher, kein Klavierklang oder Querflöten aus dem Kinderzimmer. Kein „Papa, kannst Du mal kommen“? Kein „Papa, Papa, Papa…..“. Klingt erstmal toll. Gerade meine Freundin (ich werde ab sofort von meiner Frau sprechen, denn mit fast 44 fühle ich mich zu alt für eine Freundin) wäre an meiner Stelle sicher manchmal dankbar, wenn sie mal für einen Tag kein „Mama“ hier, „Mama“ dort, „Mama, komm mal“ hören würde. Nicht, weil sie ihre Jungs nicht aus tiefstem Herzen lieben würde, sondern einfach nur weil man als Mutter oder Vater auch mal an seine Grenzen kommt. 

Aber für mich ist es jedes Mal einfach nur Stille, die plötzlich den Platz meiner Tochter in meiner Wohnung übernimmt. Ein Kinderzimmer, das zwar bewohnt aber irgendwie auch unbewohnt ist. Es steht seit gestern Nachmittag leer. Ich nutze es zum Wäsche aufhängen in der Zeit, in der meine Lütte nicht da ist. Und jeder Gang zum Wäscheständer schmerzt, denn er steht mitten in der Stille. 

Ja, ich wohne hier jetzt sechs Jahre in der Wohnung. Man(n) sollte sich daran gewöhnen, denkt man. Tut man aber nur bedingt. In der ersten Nacht nach einem Papawochenende werde ich nachts mehrmals wach und lausche, ob ich Geräusche von meinem Töchterchen höre. Höre ich aber nicht. Und dann bekomme ich kurz Panik bis mir klar wird, dass sie gar nicht da ist. Dann gucke ich, ob meine Frau neben mir liegt. Tut sie aber auch nicht, denn sie ist bei ihren Jungs. Dann kommt die Erkenntnis: ich bin alleine! Und dann schlafe ich wieder ein. Gemeinsam mit der Stille.

 

 

 

Und bevor mir jetzt die ersten Leser Antidepressiva empfehlen, kann ich Entwarnung geben. Ein „kinderfreies“ Wochenende steht vor der Tür und Freitag Abend geht es zu zweit zu einem mediterranen Kochabend. Ohne sich um eine Aufsicht für die Kinder kümmern zu müssen, ohne währenddessen immer wieder aufs Handy zu starren und unruhig zu warten, ob Oma schreibt, dass alles gut ist. Wie immer im Leben gibt es die zwei Seiten einer Medaille und ich freue mich auf den Abend wie Bolle. Und ich sag es nur ganz leise: wir können Samstag sogar ungestört ausschlafen…..und Sonntag auch…..das ist stiller Luxus!

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