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Tag 7 - "kinderfreie Zeit" oder einfach nochmal Mitte 20 sein!

Ja, die Patchworkwelt bringt ganz neue Begriffe in meinen Wortschatz. „Papawochenende“, „Umgangsrecht“, „Jugendamtsurkunde“oder halt „kinderfreie Zeit“ oder „kinderfreies Wochenende“. Für alle, die nicht betroffen sind, will ich es kurz erklären. Aber ich denke, viele von euch sind davon irgendwie betroffen und wissen es nur noch nicht.

 

Alle 2 Wochen haben meine Frau und ich die Chance, alles das zu machen, was man mit Kindern nicht oder nur schwer machen kann. Das bedeutet z.B. an einem Wochenende eine ganze Staffel einer neuen Serie auf Netflix gucken oder einfach Kinokarten bestellen ohne sich um die Betreuung der Kinder kümmern zu müssen. Man kann Essen kochen, das ungesund und wenig kinderkompatibel ist, im Bett liegen bleiben, so lange man möchte, muss sich keine „Samstag Abend Shows“ mit Dieter Bohlen auf dem Sofa antun und kann sich ganz auf den Partner konzentrieren. Ja, man ist quasi wieder Mitte 20 und hat einfach nur eine Beziehung mit einem Menschen, den man liebt und dessen Nähe man geniesst. Ohne Verantwortung für andere, ohne einen Erziehungsauftrag, ohne die Verpflichtung sich um andere kümmern zu müssen. Ich sage euch: Das ist Freiheit!

Pizza aufs Sofa bestellen? Klar! Noch eine zweite Flasche Wein aufmachen? Warum nicht! Noch eine Folge „game of thrones“? Aber sicher doch! Einfach mal um 20:30 Uhr ins Bett? Na aber sowas von!

 

Für uns ist diese Zeit als Paar unglaublich wichtig. Ich denke, ohne diese Zeit hätten wir die Widrigkeiten der Patchworkwelt nicht überstanden. 

Jetzt werden sicher einige denken: Ist doch logisch. Und ich sage: Klar ist es das! Aber jetzt mal unter uns Pastorentöchtern: Wer plant diese Paarzeit (ja, das ist der passende Begriff für nicht Patchworker) regelmäßig in seiner Beziehung ein? In welcher Ehe oder „Familie“ nimmt man sich als Paar alle zwei Wochen ganze 2 Tage als „Auszeit“? Wie soll das auch gehen? Und schließlich hat man ja auch Kinder in die Welt gesetzt, um Zeit mit ihnen zu verbringen., werden jetzt vielleicht einige denken. 

Und natürlich kenne ich auch diese Blicke, wenn man am Sonntag Nachmittag als Paar Anfang vierzig (es tut irgendwie schon weh das zu schreiben) einen Spaziergang durch einen Park macht oder am Samstag ganz entspannt als Paar durch die Einkaufszentren der Stadt bummelt. Oder diese Momente, wenn man im Hochsommer als Paar ins Freibad geht und keine Schwimmflügel aufpumpen muss, sondern einfach nur sein Buch raus holt. Diese „nicht mal zu einem Hund hat es gereicht“ Blicke der Mütter und Väter, die mit ihren Kindern den Tag verbringen. Ja, man bekommt schon den einen oder anderen mitleidigen Blick mitgegeben. Gleichzeitig sieht man aber auch in genau diesen Blicken die Genervtheit, man sieht, wie wenig wertschätzend man als Eltern an solchen Tagen miteinander umgeht. Denn es geht ja darum, einen „schönen Sonntag“ mit den Kindern zu verbringen. Und eigentlich wünschen sich so viele da draussen einfach nur das Gesicht in die Sonne zu halten, eine Tasse Kaffee und einfach mal 1-2 Stunden als Paar. Den Neid in den Blicken erkenne ich also manchmal durchaus auch.

Und jetzt lasst uns mal kurz zurück denken. Wie habt ihr euren Partner oder eure Partnerin kennen gelernt? Wie verlief das erste Date? Meist ohne Kinder. Wir haben uns in den Partner als Menschen verliebt und nicht als „Mutter meiner Kinder“ oder als „Vater den Versorger“.  Und hat man eigentlich in der Beziehung, in der die leiblichen Kinder entstanden sind, genau darauf geachtet? Auf die Zeit zu zweit? Oder hat genau das dazu beigetragen, dass es irgendwann nicht mehr funktioniert hat, weil man als Paar in der Elternschaft „verschwunden“  ist?

Und das ist etwas, was ich aus meiner Patchworkwelt weitergeben möchte. Gerade an „intakte Familien“: Die kinderfreie Zeit (Paarzeit) ist uns heilig! Und das obwohl wir unsere Kinder lieben. Nein, weil wir unsere Kinder lieben! Denn nach so einem Wochenende freut man sich gleich noch mehr auf die Kinder, ist tiefenentspannt und weiß, wie die Serie ausging. Und ich glaube, vielen Beziehungen fehlt genau diese Zeit. 

Das ist jetzt kein Appell dafür, sich sofort auch in das Patchworkabenteuer zu stürzen, nur um endlich Zeit für Netflix zu haben. Bitte tut es nicht! Sonst spoilere ich hier alle relevanten Serien zur Strafe. Aber es ist ein Appell mal zu überdenken, wie man seine Paarzeit wieder einrichten kann. Vielleicht nicht alle 2 Wochen. Vielleicht ein bis zwei Tage im Monat? Vielleicht ein Abend pro Woche? Ob Patchwork oder nicht: Nehmt euch die Zeit, denn euer Partner ist es wert. Und eure Kinder werden es euch danken!

 

 

Und ich melde mich hier mal für 2 Tage ab….ins kinderfreie Wochenende!

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Kommentare: 1
  • #1

    Dani (Freitag, 27 April 2018 13:23)

    Meine Wort �