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Tag 9 - Brave new world

Und weiter geht es zu Thema digitaler Wandel. Ich weiß, eigentlich kann es keiner mehr hören. Überall liest man es, hört man es, spürt man es….es ist ja auch toll, wenn mein Staubsaugerroboter heute wieder eimerweise Wollmäuse einsammelte, um dann kurz danach am Wäscheständer fest zu hängen. Und so eine „Alexa“ ist schon eine angenehme Gesprächspartnerin. So charmant und nett.

 

Aber gleichzeitig bedeutet „Digitalisierung“ auch Angst. Denn die immer schnellere Entwicklung zeigt uns ja auch, dass wir die nächsten 10 oder 20 Jahren gar nicht planen können. Wir wird unser Leben in 15 Jahren aussehen? Was werden wir arbeiten? Wer fährt unsere Autos? Wo landen die Drohnen von DHL? Und bezahle ich meine Lieferung über Bitcoins? Übertrieben? Ich denke nicht, denn wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass wir uns mit einem Lautsprecher „unterhalten“ können?

 

Tja, wie kam jetzt meine Lütte eigentlich zu einer Sim-Karte? Am Anfang hatte sie eines Tages plötzlich ein kleines Gerät in ihrem Schulranzen, auf das ich nur durch Zufall stieß. Klein und in kindgerechter Farbgebung, mit einem Schlüsselring und einigen lustigen, bunten Tasten. Aber wofür war das Ding? Erst eine Google Suche ergab: ein GPS-Tracker für Kinder, mit dem die Eltern jederzeit über einen Webbrowser abfragen können, wo sich das Kind, bzw. der Schulranzen gerade aufhält. Und über die Tasten läßt sich eine standardisierte Nachricht an das besorgte Eltern-Handy schicken mit so lustigen Texten wie „Es geht mir nicht gut“ oder „Hol mich bitte ab.“. Und wir regen uns über „Datenklau“ bei Facebook auf? Echt jetzt? Ich war ziemlich mittelschwer geschockt als ich dieses Teil an einem Kinderwochenende entdeckte. Man darf dabei ja nicht vergessen, dass der Schulweg von Tür zu Tür mit dem Auto der Mutter zurückgelegt wird. 

Ich glaube etwa ein Jahr später war es dann ein kleines Samsung Handy mit langer Akkulaufzeit, das im Ranzen für „Sicherheit“ sorgen sollte. Darauf bin ich nur gestossen, weil ich nachts von einem nervigen Piepen geweckt wurde.  Der Akku war alle. Und diese Sim-Karte ist jetzt am Ende im iPhone gelandet.

 Ja, alles das passierte übrigens, ohne dass ich als der leibliche Vater etwas davon erfahren habe. Gerade mit dem GPS-Tracker war das Kind dann sogar „überwachbar“ während es bei mir war. Da darf man sich nicht über Mark Zuckerberg oder die Stasi aufregen, wenn man dieses Vorgehen im direkten Umfeld erlebt. Und eine Frage, die sich mir in dem Zusammenhang stellt: Ist das nicht auch eigentlich eine Entscheidung, die auch getrennte Eltern gemeinsam treffen sollten? Kinderüberwachung? Aber das ist wieder eine ganz andere Baustelle.

 

Und welche Botschaft wird den Kindern signalisiert? 

„Ich muss immer wissen wo du bist.“ 

„Du darfst keine eigenen Wege gehen.“

„Die Welt da draussen ist sehr gefährlich.“

 

Was für Menschen  prägen wir da? Angsthasen? Kontrollfreaks? Menschen, für die es ganz normal ist, dass man ständig weiß, was sie tun und wo sie sind? Und wir regen uns über Google, Apple oder Facebook auf? 

 

Ich hatte als Bengel noch 20 Pfennige in einem Schlüsselanhänger in putzigem Mauslook mit, wenn ich in Berlin (Achtung, Großstadt!) nachmittags unterwegs war. Warum? Na für die Telefonzelle. Und manchmal waren es sogar 30 Pfennig und ich konnte mir davon eine Kugel Eis kaufen. Dann konnte ich zwar nicht mehr telefonieren aber mir war das eh egal. Warum sollte ich meine Eltern anrufen müssen? Was sollte schon passieren? Ich war doch frei und die Welt war gut. Und jetzt? Totale Überwachung weil es notwendig ist oder weil wir es können?

 

 

Also, wie gehen wir mit den neuen Möglichkeiten um? Wie „überwacht“ und „kontrolliert“ ihr eure Kinder? Und wie viel Vertrauen schenkt ihr ihnen? Wenn ihr mögt, nutzt die Kommentarfunktion. Würde mich freuen. Oder ihr schreibt mir bei Facebook ;-)

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