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Tag 11- Das Wechselmodell, Segen oder Fluch?!?

 

Ostern, das erste „lange Wochenende“ nach Weihnachten. Gründonnerstag und erst recht Ostersamstag mit bürgerkriegsähnlichen Verhalten meiner Mitmenschen beim regionalen Supermarkt. Und natürlich die Konsumdiskussion. Ja, auch das ist ein schwieriges Thema in der Patchworkwelt: Geschenke und deren inflationärer Nutzen, um seine „Liebe“ für das leibliche Kind auszudrücken. Höher, weiter, schneller.  Sowas gibt es nicht nur zu Weihnachten. Aber das ist vielleicht eher an einem anderen Tag das Thema und nicht heute.

 

Heute soll es um das Wechselmodell gehen. Für alle, die (noch) nicht in der Trennungssituation mit Kind sind, eine kurze Erläuterung: Noch geht die Rechtssprechung davon aus, dass Kinder bei einem der beiden Elternteile bei einer Trennung hauptsächlich leben. Dieses Elternteil ist für die „dingliche“ Versorgung der Kinder verantwortlich. Das andere Elternteil ist „nur“ für einen finanziellen Anteil an der Versorgung verantwortlich. Das ist der Kindsunterhalt. Und zusätzlich hat man halt ein Besuchsrecht, das oft genug zu Problemen führt. Das Thema hatten wir ja schon.

Meist wird davon ausgegangen, dass die Kinder von Freitag Abend oder Samstag früh bis Sonntag Abend bei dem „Zahler“ sind. Und dies alle zwei Wochen und auch wenn möglich die Hälfte der Ferien. Das ist quasi die Grundversorgung und alles, was darüber hinaus geht, ist Verhandlungssache. Ist das gerecht? Ist das wirklich im Interesse der Kinder? So ein Wochenende geht verdammt schnell rum. Und als Wochenendpapa kann man einfach auch viel „cooler“ und „spannender“ sein als so eine Alltagsmutti.

 

Daher gibt es halt das sogenannte „Wechselmodell“, was in den letzten Wochen auch in der Politik diskutiert wurde. Das bedeutet, dass man die Zeit wirklich 50/50 aufteilt. Also tagsüber beim „dinglichen“ und nachts dann beim „finanziellen Versorger“. Äh, nein. Diese Begrifflichkeiten gibt es dann gar nicht mehr. Es wird dann kein Kindsunterhalt fällig. Allerdings erst, wenn wirklich eine 50/50 Aufteilung gewählt wird. Bei 49/51 ist man schon wieder im Zahlungsmodus. Kurios, oder?

Und nein, natürlich keine Teilung am Tage. Die Trennungskinder müssen sich ja so schon zerreissen. Im Normalfall geht man beim Wechselmodell von einem wochenweisen Wechsel aus. Sorry für die ausufernde Erklärung aber es lesen hier zum Glück auch viele mit, die die Situation als Trennungseltern nicht aus eigenen Erfahrung kennen.

 

Und wir wollen das jetzt mal ausprobieren, da meine Lütte oftmals die Zeit bei mir als zu kurz empfunden hat und ich dieses Gefühl teile. Klingt ja dann total logisch, oder? Dann macht man das halt mal. Schließlich wohne ich ja in der Nähe der Schule. Kurze Wege und Selbstständigkeit und so. Hatte ich ja bereits erwähnt. Aber was gibt es dabei nicht alles zu bedenken?

 

Erstmal aus Kindersicht: Jede Woche ein „Umzug“. Jede Woche eine Umstellung, weil es andere Regeln, andere Tagesabläufe, anderes Essen, ein anderes „zu Hause“ gibt. Jede Woche wieder in das andere „zu Hause“ umziehen. Nimmt man dann als Kind alles mit, was man so braucht? Oder hat man zwei Haushalte (Doppelte Haushaltsführung? Kann man das nicht in der Steuererklärung…..???)? Bisher heißt es alle 1,5 Wochen mal für 3-4 Tage „umstellen“. So ein wenig „Urlaub von Hotel Mama oder halt Hotel Papa“. Den Alltag mit Hausaufgaben, morgens früh aufstehen und einem Elternteil, das sich nicht den ganzen Tag auf das Kind fokussiert mal für ein paar Tage entfliehen? Klar versuche ich auch hier Alltag darzustellen. Deswegen bleibt mein Töchterchen ja auch wenn möglich von Freitag bis Dienstag bei mir, damit ich auch Alltag mit ihr habe. Aber nach der Ferienwoche jetzt kann ich schon sagen: So eine ganze Woche oder gar zwei sind eine ganz andere Hausnummer. Jetzt also wochenweise wechseln? Plötzlich „echten“ Alltag beim Papa? Ein Papa, der genervt vom Job kommt, der seinen Hobbys nachgehen will, der einfach nicht so viel Zeit für sein Kind hat, wie am Wochenende. Ist am Ende der Vater einfach nur nix anderes als die Mutter nur halt mit Bart? Sind es am Ende 52 Umzüge im Jahr, nur um zu erkennen, dass der Alltag bei beiden Eltern Höhen und Tiefen hat? Und ist das vielleicht sogar der wirkliche Nutzen? Oder ist es eigentlich eine unnütze Belastung für meine Lütte ohne Mehrwert?

Es wird auch empfohlen, das Wechselmodell nur dann zu wählen, wenn der Lebensmittelpunkt und der Erziehungsstil bei den Eltern auch nach der Trennung noch nah beieinander liegen. Was macht man denn jetzt aber, wenn das schon während der Ehe nicht so war und wir fast 20 Kilometer auseinander wohnen?  Was, wenn das Wohnumfeld einmal dörflich auf dem Lande ist und einmal in der Stadt? Und wie wichtig wiegt der Vorteil, dass bei mir in der Nähe Schulfreunde wohnen und somit soziale Kontakte außerhalb der Schulzeit unkompliziert möglich sind. Das geht bei ihrer Mutter nicht so ohne weiteres, da es immer mit Autofahrten verbunden ist. Und ich höre schon wieder die Rotoren von Mimi….

Hier aber wohnen einige Mitschüler in einer Entfernung, die man zu Fuß oder mit dem Rad locker schaffen kann. Trotzdem gibt es plötzlich keinen Lebensmittelpunkt mehr für meine Lütte. Es gibt zwei! Ausnahmsweise mal kein Fall von „viel hilft viel“. Und ich weiß ja, wie schwierig es schon als erwachsener Mann ist, wenn man plötzlich zwei „zu Hause“ hat. Meine Wohnung und die Wohnung meiner Frau und ihren beiden Jungs. Und es ist ein langer Weg, beides als gleichwertig zu empfinden. Ein Weg, den ich noch immer gehe. Und wir schmeissen unsere Kinder da einfach rein, weil wir als Eltern denken, dass es gut ist?

 

Was sind denn aber meine Gründe? Nicht mein Egoismus, sondern weil ich denke, dass Kinder sich nicht für ein Elternteil entscheiden sollen müssen. Natürlich auch, weil ich mehr Zeit mit ihr haben will, weil ich glaube, dass ihr mehr Zeit hier bei mir gut tut. Natürlich freue ich mich, wenn sie die Chance zu mehr Sozialkontakten hat. Aber vor allem soll sie erleben, dass es auch beim Vater „nur“ Alltag ist. Das sorgt am Ende dafür, dass beide Eltern in einem „faireren“ Licht gesehen werden. So hoffe ich zumindest. Und es geht hier nicht um besser oder schlechter. Und gehören nicht beide Eltern ins Leben unserer Kinder? Und eigentlich auch zu gleichen Teilen? Wobei….wieviel Zeit hat eigentlich mein Vater mit mir verbracht? Aber das waren ja auch andere Zeiten und wir wollen ja aus den Fehlern unserer Vorfahren lernen.

Überwiegt der Vorteil, möglichst gleich viel Kontakt zu Mutter und Vater zu haben oder führt es am Ende zu „heimatlosen“ Kindern? Ich weiß es nicht. Aber ich will es probieren. Weil ich es so wie es jetzt ist, nicht richtig finde. Oder muten wir unseren Kindern zu viel zu? Handeln wir im Interesse unserer Kinder oder geht es nur darum, nicht das „schlechtere“ Elternteil zu sein? Was denkt ihr?

 

 

Und was das ganze auch für eine Umstellung für die Patchworkbande bedeutet, darauf werde ich im zweiten Teil eingehen.

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