· 

Tag 12.1 -Das Fortnite Paradoxon

Ja, heute mal eher was aus der „Spielecke“. Ich bin ja nicht nur Vater meiner Lütten, sondern auch glücklicher Ansprechpartner von den beiden Jungs meiner Frau. Für mich sogenannte „Bonus-Söhne“. Wichtig hier: Das bedeutet keinesfalls, dass ich da die Rolle des „Bonus-Vaters“ übernehme. Sie haben einen. Und nur einen! Punkt! 

Aber jetzt zum Fortnite Paradoxon. Wer es nicht weiß: Fortnite ist ein Computer-Spiel. Es gibt es für alle gängigen Formate und mittlerweile auch für „mobile Endgeräte“. Der Inhalt des Spiels: 100 Spieler werden aus einem fliegendem, schulbusähnlichem Gefährt über einer Insel abgeworfen, gleiten an abgefahrenen Fallschirmen nach unten und wem das schon zu spannend ist, muss sich jetzt warm anziehen, denn……unten angekommen geht es darum, möglichst schnell Waffen zu finden und dann die anderen 99 Spieler auszuschalten. So ein wenig: 

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Niemand! Und wenn er kommt? Dann laufen wir!!!“ 

(politisch heute nicht mehr korrekt aber es ist ein Zitat und ich mag ja auch noch immer Schnitzel mit Zigeunersauce, daher verzeiht)

 

Damit nicht genug, wird der Bereich auf der Insel, in dem man sich aufhalten kann immer kleiner. Also geht es nicht, sich einfach wie beim Verstecken-Spiel früher im Kellereingang vom Nachbarn einfach ganz klein zu machen und sich still zu verhalten. Duck and cover läuft hier nicht.

Man kann auch noch einfach so Wände und Treppen bauen und wenn man nicht so wie ich mit dem Controller gerade so geradeaus laufen kann, sondern weiß, was man tut, kann man sogar lustige Türme bauen und dann seine Gegner von oben ins virtuelle Nirvana schicken. 

Und jetzt kommt es: Natürlich ist das Spiel kostenlos. Ja, gibt es für lau. Einfach laden und gut ist. Auf den PC, auf die Xbox, sogar aufs iphone kann man es laden. Und es ist ab 12 Jahren. Leute virtuell erschiessen: USK 12. Das hätte man den Programmieren von Doom oder Duke Nukem mal sagen sollen. Baut nur einen fliegenden Schulbus ein, dann könnte ihr das Ding ab 12 verkaufen.

Und es ist der Renner. Auf allen Plattformen. Sogar für mein MacBook gibt es eine Version. Woher ich das weiß? Ich habe mal geguckt, aber nur für einen Freund.

 

Aber warum machen die sich die Arbeit für lau? Natürlich gibt es wieder eine „ingame“ Währung. Man muss echtes Geld in „V-Bucks“ eintauschen und kann sich dann im Shop tolle Sachen kaufen. Zurücktauschen geht natürlich nicht. Wegen Inflation und so. Sind diese V-Bucks dann eigentlich eine Kryptowährung? Egal. 

Was kann man dann mit den V-Bucks tolles kaufen? Ein „Uber“ zum Abwurf? Kugelsichere Westen? Ein Unsichtbarkeitstrank? Nö. Es gibt eine besondere Optik, also die Spielfigur steigt zum Beispiel in ein Osterhasenkostüm. Ein ROSA Osterhasenkostüm. Jetzt wird es richtig dreckig. Und dafür geben Kinder Geld aus. Echtes Geld. Euros. Oder für besondere Tanzmoves, damit sie nach dem Ausschalten des Gegners neben der Figur einen flotten Tanzschritt einlegen können. 

Jetzt werdet ihr sagen: Na und, macht ja keiner. Und ich sage: Doch. Es wird gemacht. Gefühlt jeder zweite Spieler hat irgendwie Geld ausgegeben, damit er besonders cool aussieht. Also im Spiel. Das sind keine Nike Air, die man auch im Alltag tragen kann. Es ist virtuell. Und die Preise? Naja, der Osterhase war so für 5€ zu haben, glaube ich. Das größte Paket liegt aber bei einem dreistelligen Eurobetrag. Jepp. Über 100€ für virtuelle Optik.

Alles Quatsch? Nein. Gesprächsthema Nummer eins bei den Jungs in der Klasse meines großen Bonus-Sohns. Bei ihm ist es allerdings zum Glück stark reglementiert und aufs Handy kommt das Zeugs ganz sicher nicht. Aber bei anderen aus der Klasse und bei den älteren Schülern sieht das ganze ganz anders aus. Und wenn sie nicht spielen dürfen, gucken sie sich halt YouTube Videos an, wie andere Leute spielen, welche Waffen die besten sind und welche „Spots“ zur Landung die besten sind…..und geben ihr Taschengeld für Osterhasenkostüme (oder in einem Fall, den ich namentlich nicht benennen möchte für einen „Halo-Look“) aus.

Und da komme ich zurück zur Frage: Wie lernen unsere Kinder eigentlich mit Geld umzugehen, wenn sie schon mehr Geld für eine „Style-Anpassung“ im virtuellen Raum ausgeben als für Kaugummis und Cola? Und kommen wir langsam in das „früher war alles besser“ Alter? Ich habe ein wenig Angst gerade.

 

 

Naja, ich ziehe jetzt mal mein Osterhasenkostüm an und gehe aufs Schlachtfeld…..vielleicht sehen wir uns ja. Ich bin der rosa Osterhase Mitte 40….;-)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0