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Tag 12 -Das Wechselmodell aus Sicht des Vaters oder "alles bleibt anders"

Nachdem ich das Wechselmodell aus Kindersicht beleuchte habe, geht es heute mal an die erwachsenen Protagonisten. Und ob man es glaubt oder nicht, auch dort bringt so eine Entscheidung eine extreme  Lebensveränderungen mit sich.

 

Schauen wir uns zuerst mal die oder den bisherigen „dinglichen Versorger“ an. Hat man bisher 10-12 Tage am Stück die Kinder bei sich, so ist zukünftig nach sieben Tagen auch mal „Einsamkeit“ angesagt. Ein großes Haus wird dann schnell zu groß und auch die kleine, kuschelige Wohnung wird plötzlich immer wieder unerwartet still. Vielleicht wird dann dort aus dem Kinderzimmer sogar das „Wäschezimmer“ für die „Leerwoche“?!? Braucht man überhaupt noch den aktuellen Wohnsitz? Ist er gerechtfertigt, wenn man ja quasi nur die Hälfte der Zeit so viel Platz braucht? Und die Kosten dafür laufen ja weiter obwohl man plötzlich keinen Unterhalt für die Kinder mehr bekommt. Und am Ende kommt vermutlich sogar die Frage nach dem „Warum“ auf. Nach dem „was habe ich falsch gemacht, dass meine Kinder weniger bei mir sein wollen?“ Dass es nicht um ein „weniger“ sondern um ein „mehr“ geht, wird einem nicht immer so präsent sein. Und das kann sicher in Kombination mit dem „Leergefühl“ extrem an der Stimmung zehren. Zumindest am Anfang.

 

Und wie sieht es für den „monetären Versorger“ aus. Wenn man nicht sowieso schon so eingerichtet ist, muss das Kinderzimmer deutlich ausgebaut werden, denn es ist ja schon was anderes, ob man nur „Gast“ am Wochenende ist oder wirklich eine ganze Woche sein „Unwesen“ vor Ort treiben darf. Das bedeutet im Extremfall einen Wohnungswechsel oder zumindest ein Aufrüsten der Möblierung. Wenn man in einer Patchworkwohnung (wieder eine neue Wortfindung) lebt, müssen sich auch andere umstellen, da plötzlich jede zweite Woche mit mindestens einem Kind mehr zusammen gelebt wird. Das heißt also auch eine Umstellung für die andere Hälfte der Patchworkbande. Gut, das ist bei uns jetzt wegen der zwei Wohnungen nicht der Fall. Aber dafür bin ich zukünftig weniger für meine „Bonus-Söhne“ da. Auch der Kontakt wird sich deutlich verändern. Und von meiner Frau ganz zu schweigen. In der jetzigen Wohnsituation bedeutet das, dass wir uns vermutlich immer eine Woche sehr, sehr wenig sehen. Keine gemeinsamen Abende auf dem Sofa, kein gemeinsames Einschlafen und Aufwachen. Und wie sollen wir denn jetzt bei den gemeinsamen Netflix Serien weiter kommen? Ich will doch wissen, wie es in Staffel 6 von „Suites“ weiter geht. Kann das richtig sein?

Bedeutet das, dass man eigentlich im Wechselmodell als Patchworkfamilie zwingend zusammen ziehen sollte, damit sich nicht für alle Beteiligten so viel zum Negativen ändert? Oder heißt das, dass man im Wechselmodell gar keinen gemeinsame Wohnsitz aufbauen kann?

 

Die Antwort ist sicher wieder das altbekannte „kommt drauf an“. Wo gehen die Kinder zur Schule? Wie sieht die Versorgung durch Großeltern oder andere Familienangehörige aus, wenn der Krankheitsfall eintritt? Wie ist das Verhältnis untereinander? Findet man ein Haus oder eine Wohnung, groß genug für alle? Denn spätestens im Wechselmodell braucht jedes Kind seinen Rückzugsraum, um wirklich ein zu Hause zu haben und nicht nur „Besuch“ zu sein. Oder?

 

Tja, und für den „Zahler“ ergibt sich auch eine wesentliche Veränderung des Lebens. Und ich bin da ganz ehrlich. Nach der Trennung muss man sich als Mann erstmal orientieren. Neue Wohnung suchen, dort oftmals viel Zeit alleine verbringen, trotzdem als Vater da sein. Feststellen, dass viele Frauen kein Verständnis dafür haben, dass meine seine Vaterrolle nicht nur als Entertainment-Vater am Wochenende ausüben will. Plötzlich viel Zeit für Hobbys, viel Zeit zum Nachdenken, seine Zeit wirklich selber einteilen und verwalten können. Und somit auch viel Energie in den Job stecken können, wenn man das möchte. Endlich mal Karriere machen……oder so. Dann folgt die erste Patchworkphase, in der man mit seiner neuen Frau und ihren Kindern „warm wird“. Man beginnt dort Verantwortung zu übernehmen, lernt einen neuen Freundeskreis kennen, andere Schulen und Kindergärten, spielt andere Spiele (Fußball und Fortnite statt Fillys und Merida) und ist trotzdem nicht Vater  sondern „nur“ väterlicher Freund. Und dann, ganz plötzlich, ist man(n) doch wieder getaktet und hat die volle Verantwortung für sein eigenes Kind. Zwar nur alle zwei Wochen aber trotzdem. Und man wird aus der anderen Welt wieder ein Stück heraus gerissen.

 

Und das kann man immer weiter ausführen. Wie ist es als Partner eines Elternteils mit „Wechselmodell“? Wie geht es wohl den „Bonus-Kindern“ damit? Und das alles für einen „Versuch“? Okay, aber das geht sicher zu weit.

 

Und am Ende wiederhole ich mich: Langsam wird einem klarer, warum so viele Väter sich nur noch an den Wochenenden und den Feiertagen mal um ihre leiblichen Kinder kümmern. Denn so ist es viel leichter, sich ein „neues Leben“  und eine „neue Familie“ aufzubauen. Aber das steht für mich nicht zu Debatte. Also will ich einen Lösungsweg finden, mit dem die ganze Patchworkbande leben kann. Wir werden sehen, ob das klappt. Ich werde berichten und mich sehr kritisch hinterfragen, für wen das Wechselmodell eigentlich wichtig ist. Für die Kinder oder für die Eltern?

 

Und jetzt bitte die Daumen drücken. Der Versuch startet heute nach Schulschluss…….

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