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Tag 13- Wortfindungsstörungen?!?

Patchwork. Patch & work. Man muss sich das Wort nur mal in Ruhe ansehen oder es zwei oder drei mal mehr aussprechen um zu erkenne, dass das Wort „work“ sich darin versteckt hat. Und das sicher nicht aus versehen. Ich muss dann immer an diese „Weisheit“ denken, was es bedeutet, als „Selbstständiger“ zu arbeiten. Mir hat da ein freundlicher Kollege damals noch bei der Deutschen Bank erklärt, dass es wichtig ist, das Wort zu verstehen. Man arbeitet „Selbst“ und nicht andere für einen und man arbeitet „ständig“.

 

Tja, und Pädschwörck? Das Wort „Patch“ als solches kenne ich vor allem aus dem Software Bereich. Neue „Patches“ in Spielen waren nicht immer von Vorteil. Sie brachten neue Inhalte, Verbesserungen und auch neue Fehler. „It´s not a bug, it´s a feature“….heute heißt es in den App-Stores dieser Welt nur „Updates“. Vermutlich, damit es keiner mit Patchwork verbindet. 

 

Das deutsche Wort „Flicken“ verbinde ich als erstes mit dem Flickenteppich. Und auch das Wort ist bei mir nicht positiv belegt. Und wenn ich an meine erste bewusste Berührung mit Flicken denke, dann waren es die auf den Knien meiner Hose als Kind. Und der Geschmack meiner Mutter was diese Flicken angeht war ehrlich gesagt grausig. Und man war damals extrem uncool mit diesen aufgenähten, bunten Stoffdingern in den Farben der 80er. Oh ja, sehr uncool. Jetzt wo ich drüber schreibe, beneide ich die Kinder da heute. Da gibt man doch extra viel Geld aus, damit die Jeans am Knie schön kaputt ist. Ich sage ja, früher war doch nicht alles besser.

 

Und was hat so eine Patchworkbande mit „Flicken“ zu tun? Doch eigentlich nichts, denn es werden doch nur zwei Teile zusammengefügt, die vorher mit anderen Teilen „ein Ganzes“ ergeben haben……um wieder ein neues Ganzes zu ergeben. Kein Flickenteppich und auch keine Flicken, um einfach nur ein Loch zu stopfen, sondern so viel mehr!

 

Und „Work“ - also „Arbeit“. Arbeit ist doch Geld verdienen. Arbeit ist ein notwendiges Übel, um sich seine Hobbys, seinen Urlaub und seine unzähligen, überteuerten Apple Geräte leisten zu können. Moment. Arbeit ist auch Selbstverwirklichung. Arbeit soll etwas Sinnstiftendes sein. Immer mehr Menschen suchen nach einer Arbeit, die nicht nur Geldverdienen ist. Vielleicht ändert sich zur Zeit auch gerade die „Belegung“ des Wortes „Arbeit“. Und vielleicht damit auch die Belegung des Wortes Patchwork?

 

Sehen wir es doch mal so: Diese Flicken auf den Knien braucht heutzutage kein Mensch mehr. Maximal noch am Jacket an den Ellenbogen als „Buchhalterschoner“. Kann gut aussehen, muss es aber nicht. Und ich kenne auch nur sehr wenige Menschen, denen das steht. Und Arbeit soll nicht mehr nur „Streß“ und „notwendiges Übel“ sein. Und an manchen Tagen ist es wichtig, sich das auch für das Pädschwörckleben“ in Erinnerung zu rufen. Es ist eine freie Entscheidung. Und es geht darum, etwas besonderes und einzigartiges zu schaffen. Und natürlich ist es auch Arbeit.

 

Man braucht den Flicken auf der Hose nicht mehr. Etwas mehr Freiheit und „Frische“ an den Beinen und im Leben tut uns doch ganz gut. Etwas ist kaputt gegangen und wir "flicken" es nicht. Wir schaffen aus den "Fetzen" etwas komplett Neues. Man muss nur den Mut haben. Und es ist eine echte Bereicherung, es ist etwas sehr Sinnstiftendes, wenn man es zuläßt. 

 

Klar bleibt Patchwork manchmal auch ganz viel „work“. Denn es ist auch immer das „Festival der Kompromisse“. Aber wo bekommt man schonmal Kinder dazu geschenkt? Und wo bekommt man schonmal einen Partner, der erlebt hat, wie eine Familie zerbrochen ist. Jemand, der gelernt hat, das Herz und die Seele des Partners zu schützen?

 

Vielleicht gibt es ja irgendwann mal ein neues Wort dafür. Vielleicht Familie 2.0?

 

Andere Vorschläge? Gerne in den Kommentaren.

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