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Tag 14 - Erste Woche Wechselmodell - es ist noch ein langer Weg (auch zur Schule)

Ich habe ja viel über die verschiedenen Sichtweise des Wechselmodells geschrieben und es gibt sicherlich noch viele Blickwinkel, die ich gar nicht betrachtet habe. Jetzt ist aber die erste Woche rum und ich will mal ein ersten Fazit ziehen.

 

Punkt 1: Verdammt ging so eine Woche schnell rum. Wirklich, gefühlt war es nicht viel länger als ein Kinderwochenende. Es sind ja auch „nur“ 48 Stunden bei uns mehr diese Woche gewesen. Da die Klassenfahrt vor der Tür steht, wollte meine Lütte einen Tag früher zur Mutter zurück. Tasche packen und so….und vielleicht auch einfach etwas „Mama tanken“, da es nach der Klassenfahrt gleich mit einer Papawoche weiter geht. 

 

Punkt 2: Alltag und mehr Zeit beim Papa sorgen auch dafür, dass man sich scheinbar etwas mehr „anzicken“ kann, als an den „kostbaren“ Papa-Wochenenden. Durch den gemeinsam Alltag verfliegt dieses „Magische“ der Papawochenenden. Und es heißt ja hier auch morgens früh raus. Es heißt trotzdem Hausaufgaben machen. Vielleicht liegt es auch an der Klassenfahrt und der damit verbundenen Aufregung aber es war wirklich in dem einen oder anderen Moment nicht leicht, ruhig zu bleiben. Jetzt weiß ich endlich, wofür die „Atmen“ App auf der Apple Watch sinnvoll ist. Einfach mal tief durchatmen im richtigen Moment bewirkt Wunder. Dummerweise ploppt die Erinnerung immer dann auf, wenn man schon längst wieder ruhig ist. Das sollte Apple mal überarbeiten.

 

Punkt 3: In der Nähe der Schule zu wohnen, macht das Verabreden leichter und es scheint sogar Spaß zu machen. An dem Tag, als die Freundin mit her kam, ist mein Töchterchen sogar 3x zu Fuß von der Schule nach Hause und zurück gegangen. Ohne Murren. Überraschend. Es war nicht einmal Thema.

 

Punkt 4: Aber am nächsten Tag dann doch! Das sollte der Tag sein, an dem die Mutter meine Lütte abholt. Das geht entweder direkt an der Schule oder halt auch hier in der Wohnung, da sie sowieso den Koffer meiner Tochter noch holen müssen. Und natürlich hatten sie sich an der Schule verabredet. Und natürlich hatte ich vorher darauf hingewiesen, dass es keinen Taxi-Service von mir gibt. Und die Erkenntnis, dass ich das ernst gemeint habe, führte dann zu einem gepflegten Vulkanausbruch. Hatte ich erwähnt, dass es am Tag davor kein Problem war, die Strecke 3x zu gehen.? Hatte ich? 

Und plötzlich….Drama. Und dann kommt der eine Vorwurf. Man kann sich noch so sehr darauf vorbereiten, er trifft einen trotzdem und es tut weh. Wenn das völlig verheulte Kind wutentbrannt da steht und dem Vater ins Gesicht schreit, dass „Du das mal für mich tun kannst, Papa“. Emotionale Erpressung, ich habe Dich nicht erwartet und trotzdem kommen sehen. Und unsere Kinder wissen schon ganz genau, wo sie uns erwischen und treffen können. Hatte ich erwähnt, dass dieses Gespräch am gleichen Tag lief, an dem sie den Weg zur Schule bereits 3x…..hatte ich….okay……

Und was passierte in meinem Kopf? Natürlich ging sofort die Gedankenmaschinerie los:

  • Bin ich ein schlechter Vater? Schließlich könnte ich sie ja wirklich den kurzen Weg fahren. Ich fahre ja eh morgens zu Sport.
  • Und schließlich bringt ihre Mutter sie jeden Tag einen viel weiteren Weg zur Schule und ich verweigere mich den kurzen Weg zu fahren?
  • Und außerdem ist sie ja den Rest der Woche immer klaglos mit dem Rad gefahren.
  • Ist es das wert, dass sie für den kurzen Moment völlig irrational aber gefühlt völlig logisch zweifelt, warum sie überhaupt bei diesem egoistischen Vater mehr Zeit verbringen will.
  • Am Ende sogar kurz die Angst, dass das Wechselmodell daran scheitert, dass ich nicht bereit bin, sie dieses eine Mal zu fahren.

Und plötzlich hörte ich das Rauschen der Rotoren und sah wieder Nick, Cody und Murray und diesen alten Hubschrauber vor mir. Das Trio mit vier Fäusten rettete mich davor, weich zu werden.

Denn ich wollte ich Freiheit und Eigenständigkeit fördern. Ich hatte erlebt, wie gut es ihr tat, kurz nach der Schule noch auf dem Weg „runter zu fahren“ und sich auf den Nachmittag einzustimmen. Und ich wollte ein besseren Vater sein, der nicht die bequeme Entscheidung sucht, sondern der im Kinderinteresse entscheidet. Also konsequent sein und die Wut und die Tränen aussitzen. Auch wenn es weh tut.

Und am Ende sind wir gemeinsam mit dem Rad gefahren und haben die 10 Minuten zusammen genossen und ich bin mit dem Rad weiter zum Sport und ihre Mutter hat sie hier von der Wohnung abgeholt. War alles gar nicht so schlimm. Eigentlich.

 

Aber ich sag es ehrlich: Diese Entscheidung zu treffen und sie vor allem durchzuhalten hat mich viel Kraft gekostet. Aber ich wünsche Euch, dass ihr die Kraft auch aufbringt. Auch wenn man in dem Moment vielleicht das „böse Elternteil“ ist. Spätestens bei der Wahl unseres Pflegeheims werden sich unsere Kinder (hoffentlich) erkenntlich zeigen….

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