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Tag 18 - Die "zwei Sichtweisen" - diesmal in der Erziehung

Nachdem ich über die zwei doch sehr unterschiedlichen Sichtweisen, was die Zeit mit Kind oder auch mal die freie Zeit ohne Kinder geschrieben habe, soll es heute mal um das Thema Erziehung gehen. Schweres Thema. Seit es Kinder gibt, machen wir Eltern Fehler in der Erziehung. Und wir machen auf gar keinen Fall die Fehler unserer Eltern. Warum sollte man das wiederholen? Ist doch wohl total logisch, oder?

 

Aber wie steht es denn nun im Patchworkszenario. Mein persönlicher Eindruck: Scheiße, ist das schwer!!!

Die Evolution hat uns ja etwas mitgegeben, das dafür sorgt, dass man seine eigenen Kinder mit diesem großen, runden Kulleraugen so unglaublich süß und lieb findet, dass man ihnen eigentlich kaum einen Wunsch abschlagen kann. Und wenn sie dann älter werden, werden sie Meister im Verhandeln. In einem Vortrag zum Thema „Verkauf & Vertrieb“ hat Prof. Dr. Nikolaus Beutin von der Quadriga Hochschule Berlin es vor wenigen Jahren mal so ausgedrückt: „Kinder nutzen intuitiv Verhandlungstechniken, die andere erst in Harvard studieren müssen“. Ich habe da gesessen und geschmunzelt. Aber er hat recht. 

 

Was ich allerdings beobachte ist, dass diese Techniken nur bei den leiblichen Eltern funktionieren. Und das führt dazu, dass ich „sehe“, wie meine Frau von ihren Söhnen um den Finger gewickelt wird und sie Wiederrum sieht, wie ich vor meiner Tochter weich und inkonsequent werde. Und man sitzt daneben und denkt: „Warum tut er/sie das jetzt?“ Mittlerweile könnte ich aus den letzten 4 Jahren einen „Anti-Erziehungsratgeber“ schreiben. Nur vom Beobachten. Und sie könnte vermutlich das Drehbuch für eine Reality Soap schreiben mit dem Titel „Scheidungsväter, Inkonsequenz in der Erziehung neu definiert“.

 

Okay, ich übertreibe vielleicht etwas. Aber der Kern trifft es schon ziemlich genau. Und eine Frage bleibt natürlich offen: wie geht man in einer Beziehung damit um? Am Anfang führte jedes Gespräch zu dem Thema zu einer ausgesprochen unangenehmen Situation. Dieses „den Finger in die Wunde legen“ mag keiner. Und da konnten wir noch so vorsichtig mit sein. Der Andere fühlte sich trotzdem verletzt; den Spiegel vorgehalten bekommen und nochmal ordentlich Salz in die Wunde gestreut. Aber nochmal: Wie geht man damit um, dass man bei seinem eigenen leiblichen Kind irgendwie weich wie Butter wird und die Bonus-Kinder irgendwie neutraler und strenger sieht? Als Scheidungsvater habe ich auch noch die ganze Zeit die Angst in mir, dass wenn ich zu „hart“ und konsequent bin, mein Töchterchen irgendwann sagt, dass sie doch lieber mehr Zeit bei Mama sein will. Ist ja dort bequemer und so.  Und als Vater ist man ja eh anfällig für das beschützenswerte, kleine Töchterchen.

Darf diese Angst aber dafür sorgen, dass man selber inkonsequent wird? Nein! Denn ansonsten machen wir uns Väter ja noch erpressbarer als wir eh schon sind. Aber dann sind da wieder diese großen, braunen Kulleraugen und wir werden doch wieder weich….Vielleicht nochmal deutlich: Ich verteidige und entschuldige das Verhalten der Scheidungsväter oder insbesondere von mir nicht. Ich versuche nur zu erläutern, was die Gründe sein können.

 

Und in der anderen Konstellation sehen wir natürlich jede Inkonsequenz bei der Erziehung unserer Bonuskinder. Da können wir sie noch so lieb haben, irgendwas scheint da trotzdem anders zu sein. Und wir können beobachten, wie diese braunen oder blauen Kulleraugen dann die Frau an unserer Seite sowas von über den Tisch ziehen. Und sie läßt es mit sich machen. Entweder sehenden Auges, weil einfach die Kraft für den „Kampf“ nicht mehr da ist oder aus ganz vielfältigen Gründen. Der Grund ist ja am Ende auch egal.

 

Aber wir merken es. Und wir können es ihm oder ihr schön aufs Brot schmieren. Wie ungerecht. Wie fies. Und was für eine Belastung für die Patchworkbande. Als ob es nicht so schon schwer genug wäre.

 

Also lieber schweigen?

 

Es ignorieren?

 

Nein, denn irgendwann kommt es dann doch hoch. So wie das Rabattmarkenheft vom Discounter. Wenn es denn dann vollgeklebt ist, legen wir es uns gegenseitig vor. Und dann wird abgerechnet. Und das will dann doch keiner, denn die Treueprämien sind doch meist die Ladenhüter, die eigentlich keiner will.

Daher heißt es drüber reden. Und wieder: Die Sichtweise den anderen sehen und berücksichtigen. Und sich immer auch fragen: Hätte ich das bei meinem eigenen Kind wirklich anders gemacht? Einmal an die Kulleraugen denken und ganz ehrlich zu sich selbst sein, bitte!

Und am Ende kann man dann auch mal durchatmen, denn bei aller Patchworkwelt ist man als Partner nicht der Erziehungsberechtigte. Es ist also gar nicht mein Job, mir eine Meinung zur Erziehung der Kinder meiner Frau zu bilden. Und manchmal…..sollte man halt einfach seine Meinung für sich behalten, bis man gefragt wird. Diese für mich sehr ungewohnte Strategie ist vielleicht in dem Fall nicht zu unterschätzen…..

Und jetzt den Kopf einziehen! Besser ist das! Und nicht auf die braunen Kulleraugen reinfallen……wartet, mein Typ wird verlangt. Es heißt beim Haare Föhnen helfen im Bad. Klar kann sie das alleine…..aber sie hat so süß gefragt…….!?! 

 

Merkt ihr was?!?!

 

 

Wie geht ihr damit um, unterschiedlich in der Erziehung zu wirken? Gibt es Absprachen? Macht jeder sein Ding? Ich freue mich über eine Nachricht oder einen Kommentar direkt hier im Blog.

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Kommentare: 2
  • #1

    Andreas (Sonntag, 29 April 2018 17:53)

    Ich kann dir bestätigen, dass es auch in funktionierenden Beziehungen, mit gemeinsam gezeugten Kindern, nicht viel anders ist.�

  • #2

    Soul (Montag, 30 April 2018 12:12)

    Ich selber bin auch Stiefmutter und durch den Stiefmutterblog hierauf gestoßen. Bei uns ist so das wir klare Absprachen haben und sollten wir dennoch was anders sehen,es versuchen so zu besprechen das die Kinder es nicht mitkriegen und ausnutzen. Allerdings muss ich sagen ist mein Mann einfach der inkonsequentere. Während wir bei unseren gemeinsamen Kindern uns einig sind naja fast immer und an einen Strang ziehen,verfällt er Stiefsöhnchen immer aus Angst,dieser könnte nicht mehr kommen. Oder ihn nicht mehr lieben. Tatsächlich bin ich die strengere und das bei allen Kindern. Ich finde es kommt auch immer auf die Situation an. Beim Haare fönen helfen obwohl sie es selber können?Kein Ding Mama/Papa -Aufmerksamkeit mal nur für sich und ist ja auch schön die Haare mal gemacht zu kriegen. Da helf ich auch gern wenn sie fragen. ;) Wenn ein aber fast 7jähriger auf dem Klo sitzt und Papa mit Kulleraugen ruft zum Po abputzen ist das bedenklich und nicht in Ordnung. Da muss die Selbständigkeit fassen und alle konsequent Nein sagen-mach das selber. (Und nein er ist weder behindert noch hilfebedürftig noch bräuchte er in diesem Moment mal "Papazeit")