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Tag 19 - schwarz & weiß & ganz viel grau

Ich durfte für den Blog von Susanne Petermann auf stiefmutterblog.com einen Gastbeitrag schreiben. Wie der Name schon sagt, geht es dort oft um die Sichtweise der Frauenwelt in der Patchworksituation. Guckt gerne mal dort vorbei. Gerade das Forum ist auch sehr aktiv und die Beiträge sind wirklich richtig gut. Es wird aber deutlich, dass gerade die Situation als Partnerin, die immer wieder hinter den leiblichen Kindern des Partners zurück stecken muss, für viele „Schwiegermütter“ ein großes Problem ist. 

 

Ich habe in meinem Gastbeitrag meine ganz eigene These dazu aufgestellt und festgestellt, dass ich in ein Wespennest gestossen habe. Von zustimmenden Worten bis hin zu „einen Partner, bei dem ich ständig zurückstecken muss, würde ich verlassen“ war alles dabei. Und im ersten Moment war ich ziemlich verwundert, denn für mich ist es völlig logisch, dass ich in meiner Partnerschaft trotzdem die Belange meiner Tochter mit an erster Stelle sehe. Und meine Frau und ich sind uns einig, dass stets gilt: die Kinder gehen immer vor!

 

Ja, auch das ist für uns manchmal hart und ich kann aus meiner Perspektive sagen, dass ich manchmal ziemlich schlucken muss, wenn ich wiedermal irgendwie „nicht so wichtig“ bin. Und meine Frau ganz sicher auch. Gerade wegen der unterschiedlichen Perspektiven und so (siehe hier Tag 17)….Aber nach ein bis zwei Mal tief durchatmen und sich auf die getroffene Vereinbarung besinnen, geht es meist wieder. 

Aber ist das wirklich richtig? Ist das der richtige Weg? Ist das ein Patentrezept?

 

Ganz sicher nicht. Denn wie so oft im Leben, ist aus meiner Sicht die richtige Antwort ein „kommt drauf an“.

 

Es gibt genug Paare, in denen ein Hobby für eine Person eine hohe Priorität im Leben hat. Ich nehme wieder mein liebstes Beispiel „Fußball“. Wie viele Männer (und auch Frauen) laufen da draussen rum , die jeden Samstag um 15:30 im Stadion oder vor der Glotze hängen? Oder aus meiner Zeit als aktiver Hobbymusiker kann ich die Weisheit überliefern, dass eine Band sowas wie eine Freundin ist. Proben und üben und wieder in den Proberaum und dann auch einmal mehr Probe, wenn ein Gig bevor steht und das Geld statt für Urlaub dann für Verstärker und Effektgeräte ausgeben…..da stehen die echten Partner manchmal mit offenen Mund daneben und denken sich: „ Was ist denn hier los? Und was ist mit mir?“ 

 

Wie heißt es so schön: "gekauft wie gesehen“. Wenn wir in eine Partnerschaft starten, lernen wir den Partner kennen und merken auch recht schnell, was für Besonderheiten und Eigenheiten derjenigen mitbringt. Habe ich einen euphorischen Fußballfan kennen gelernt, weiß ich, dass die Heimspiele oftmals vorgehen. Und die Auswärtsspiele auch. Und natürlich der Pokal….und die Länderspiele. Und entweder man kommt damit klar oder es belastet die Beziehung. Und dann muss man halt entscheiden, wie „beziehungsrelevant“ diese Eigenheit ist. Und wenn es relevant ist, muss man halt seine „Geld zurück Garantie“ in Anspruch nehmen.

 

Und genau so sehe ich es auch bei den leiblichen Kindern. Wenn ich einen Mann kennen lerne, der seine Vaterrolle auch nach der Trennung sehr intensiv ausleben will, dann muss ich für mich entscheiden, ob das beziehungsrelevant ist oder nicht. Und wenn ja, muss ich es offen ansprechen und notfalls meine Konsequenzen ziehen. Und bitte nicht falsch verstehen. Das soll hier bitte völlig wertneutral rüber klommen. Nur weil ich vielleicht etwas mehr Engagement als Vater zeige, als andere Väter, heißt das nicht, dass ich das verurteile. Und es gibt sicher noch viele Väter, die das viel intensiver tun als ich. Und so muss jeder seinen Weg finden. Und wie so oft gilt: Augen auf bei der Partnerwahl.

 

Ich denke, man sollte dort von Anfang an mit offenen Karten spielen. Aus meiner Erfahrung heraus, bekommt man schnell ein gutes Gefühl dafür, ob der Gegenüber damit klar kommt, regelmäßig mal „zurück zu stecken“ oder ob das halt nicht vorstellbar ist. 

Wenn ich leidenschaftlicher Fussballfan bin und ich lerne einen Frau kennen, die sich nix schöneres vorstellen kann als Samstagnachmittag gemeinsam alle Shopping Queen Folgen zu gucken, muss ich mich fragen, wie das zusammen passt. Und nochmal: Das ist wertfrei. Denn es gibt nicht nur schwarz und weiß in der Nacht, sondern auch ganz viel grau…..und manchmal finde ich Shopping Queen auch echt lustig.

Daher glaube ich, dass es wichtig ist, gerade am Anfang mit „offenem Visier“ ins Kennenlernen zu gehen. Und wenn man merkt, dass man mit den Prioritäten des neuen potentiellen Partners nicht klar kommt, darf man das offen sagen und auch seine Konsequenzen daraus ziehen. Auch wenn es um die Kinder geht. Denn am Ende würden beide in so einer Beziehung nicht glücklich und wir wissen alle, was so eine Scheidung alles kostet. Das muss man ja nicht schon wieder ansteuern, oder?

 

 

Guckt gerne mal bei Susanne vorbei. Aber bitte dann auch wieder brav bei mir. Und nutzt gerne die Kommentarfunktion. Ihr seht ja, dass ich diese gerne aufnehmen und mir meine Gedanken darüber mache. Und jede Meinung erweitert ja den eigenen Horizont. Also Feuer frei. Und viel Spaß, beim nächsten Heimspiel oder Shopping Queen Marathon ;-)

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Kommentare: 5
  • #1

    Sven klare (Dienstag, 01 Mai 2018 07:54)

    Die grosse Frage ist doch aber, wie bring ich meinem Partner bei was mich an seinen kids stört ohne ihn zu verletzten? Zum Beispiel, wenn die kids kleine Schweine sind und man das so von seinem nicht kennt.

  • #2

    René (Mittwoch, 02 Mai 2018 11:18)

    Tja, das ist die hohe Kunst der Kommunikation, die wir bis an unser Lebensende versuchen zu meistern....schweres Ding! Denn Kritik an den Kindern wird von vielen Eltern (mich ausdrücklich eingeschlossen!) auch als Kritik gegen sich selber aufgenommen. Also quasi ein Kritik Doppel-Whopper.
    Das bedeutet wohl: richtigen Moment wählen, richtige Worte wählen und sich dabei immer fragen, wie würde ich wollen, dass man mir diese Botschaft übermittelt.
    Aber ein Patentrezept gibt es ganz sicher nicht.
    Und stell Dir sicherheitshalber vorher die Frage, ob es sich überhaupt lohnt die Kritik anzubringen. Denn es sind nicht Deine Kinder und daher auch in erster Linie nicht Deine Baustelle. So hart es klingt. Aber das ist nur meine Meinung.
    Toi Toi Toi auf jeden Fall!

  • #3

    Black- eyed (Samstag, 05 Mai 2018 09:48)

    Warum eine Beziehung wenn die immer an zweiter Stelle steht? Das geht nie gut. Irgendwann wird der zweite gehen. Wer möchte denn immer nur zweite Geige sein? Deshalb scheitern ja auch viel Ehen wenn ein Kind da ist. Irgendwann muss auch mal die Beziehung mal an erster Stelle stehen. Einen Partner bei dem ich von vorne rein immer nur zweite bin. Nein danke

  • #4

    Christine (Mittwoch, 16 Mai 2018 21:53)

    Mich würde interessieren warum Du und deine Frau es für eine gute Idee halten, dass die Belange der Kinder immer vorgehen? Wollt ihr ihnen vermitteln, dass ihre Bedürfnisse automatisch mehr zählen? Was für Menschen erzieht ihr da, die dann denken es sei normal dass ihre Bedürfnisse wichtiger sind? Wäre es nicht viel schöner zu zeigen wie eine Beziehung aussieht, in der sich das Paar wirklich wichtig ist, so wichtig, dass auch die Eltern mal an erster Stelle kommen. Dass je nach Situation die Bedürfnisse des einen oder des anderen mehr zählen.
    Christine

  • #5

    Marion (Donnerstag, 17 Mai 2018 16:51)

    Ich selbst lebe in einer Patchworkbeziehung - mein Partner hat zwei Söhne, die hauptsächlich bei der Mama leben. Er übt seine Vaterrolle aber sehr intensiv aus und manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich auf die Zeit, die er mit seinen Kindern verbringen will, eifersüchtig bin. Oder auf die Gedanken, was er ihnen Gutes tun kann. Wenn ich aber lange genug darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass er sich auch Gedanken über mich und uns macht, mich in Unternehmungen mit den Kindern einbezieht, aber die Zeit zu Zweit auch unglaublich genießt.
    Bevor man sich als "zweite Geige" bemitleidet und eifersüchtig auf die Kinder wird, sollte man (frau) sich auch im Klaren darüber sein, welche "Jonglier-Leistung" der Partner vollbringen muss. Ich als neue Partnerin muss mich nur um mich selbst und um meine Beziehung kümmern (ich selbst habe keine Kinder). Wenn ich mich in beidem wohl fühle und mich in die Beziehung zu den Kindern einbringen kann, kann ich viel mehr als die "zweite Geige" sein. Ich kann nämlich für meinen Partner "der Fels in der Brandung" werden. Und das, liebe "Patchworker", kommt doppelt und dreifach zurück. Vielleicht nicht sofort, aber es kommt. :)
    Aber ich habe trotzdem auch noch eine Botschaft an alle verlustangstbehafteten Intensiv-Väter (und -Mütter): Die neue Partnerin (oder der Partner) ist keine emotionale Melkkuh. Wir haben auch unsere Ängste und wollen damit vor allem verstanden werden. Und: die Kinder werden flügge und gehen irgendwann - wir Partner möchten bleiben.