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Tag 21 - Das Geheimnis der 3 Familien

Was so klingt wie der Titel einer „Die Drei Fragezeichen" Folge, ist traurige Realität und Alltag für einen Patchworkvater. Ich lese viel darüber, dass sich die Patchworkmütter nicht geliebt fühlen, dass Kinder nicht in der neuen Beziehung ankommen und wir Väter ja oft für alles die Schuld tragen. Am letzten Wochenende kam allerdings für mich der Moment der „3 Familien“ und ich wurde mir mal wieder bewusst, dass wir Väter es mindestens genauso schwer haben, wie alle anderen Beteiligten.  Aber was hat es jetzt mit den „3 Familien“ auf sich? Klingt nach einer Mafia Geschichte aus Sizilien. Ist es aber nicht. Und es ist auch kein Angebot, dass man nicht ausschlagen kann. Obwohl.....

 

Am Wochenende endete meine Patchworkwoche mit meiner Frau und ihren Söhnen (Familie 1). Wir hatten das Familienfest und auch die ganze Woche danach zu viert verbracht und es fühlte sich für mich wirklich wie eine „neue Familie“ an. Wir sind uns noch näher gekommen und haben in der Kombination ein paar ganz wichtige Schritte gemacht, die nur gegangen werden konnten, weil wir die Zeit so wie sie war für uns hatten.

 

Am Freitag kam jetzt mein Töcterchen zu mir.  Durch die noch immer getrennten Wohnungen eine Woche Papazeit. Und als wir dann am Sonntag gemeinsam der ganzen Patchworkbande einen Ausflug gemacht haben, wurde mir klar, wie Familie 2 aussieht……denn da war das Gefühl, dass sich an diesem Tag in mir hoch kämpfte. Das Gefühl, dass zwei Familien zusammen einen Ausflug machen.  Und ich habe meine „andere“ Familie beobachtet, wie sie ohne mich da war, obwohl ich ja da war. Versteht ihr, was ich meine? Ich war zwar körperlich anwesend aber ich war eher Vater meiner „kleinen“ 2-Personen Familie“ als Patchworkvater der „neuen“ 4-Personen Familie, mit der ich die Woche davor so wundervoll verbracht habe. Und das Schlimme war: In der Zeit zu fünft wechselte ich gefühlt immer wieder die Rollen. Eben noch der „Mann“ der 4-Personen Familie und im nächsten Moment wieder Papa meiner Tochter und somit Oberhaupt der 2-Personen Familie. 

 

Ganz ehrlich: Das hat mich fertig gemacht. Ich habe mich quasi beim ständigen Wechsel zwischen den Rollen beobachtet und habe gemerkt, dass ich doch eigentlich die Familie 3 haben wollte. Alle fünf zusammen. Damit ich nicht ständig meine Rolle wechseln muss. Damit es nur die eine Familie und damit Rolle gibt. Und das ist sicher ja auch das Ziel.  Und ich habe bei dem Ausflug auch bemerkt, dass ich zwischendurch meine Rolle aus der einen oder andere (Teil)Familie vermisst habe. Und das führt dann am Ende auch noch zu weitere Verunsichert bei mir. 

Nur leider kann man nicht einfach Familie 1 und Familie 2 zusammen werfen und hat dann Familie 3. Das klingt mathematisch sinnvoll aber aus der Praxis kann ich sagen, dass es zumindest bei uns nicht so einfach ist. Leider. Und solange bin ich wohl derjenige, der ständig die Rolle wechseln muss. Seltsam. 

 

Ich weiß, dass das Ganze eine wenig „abgedreht“ klingt und ich weiß nicht, ob ich in der Lage war, das Gefühl in mir so zu beschreiben, dass ihr es verstehen konntet. Und ich bin mir sicher, dass dieses komische Gefühl sicherlich auch zum Großteil nur da ist, weil ich als Mensch so bin wie ich bin und sicher viele Patchworkväter das ganz anders erleben. Aber ich denke, dass einige es sicher genauso empfinden aber vielleicht gar nicht bewusst bemerken.

 

Ich will damit hier auch nur deutlich machen, dass wir Väter, die wir es ja oftmals sooooo einfach haben, weil wir ganz viel Zeit für uns haben, machen können, was wir wollen, so viel Zeit für den Beruf und unsere dann anstehende Midlife Crisis haben….dass wir Väter auch oft gar nicht wissen, wo wir hin gehören. Wir reden nur oft nicht darüber. Oder?

 

 

Gibt es jemanden, der bei sich das gleiche beobachtet hat? Kennt jemand das Gefühl? Wie auch immer: Nur wenn wir alle gegenseitig Verständnis haben, kann Patchwork funktionieren. Egal wie verdreht die Gedanken sind ;-)

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Kommentare: 4
  • #1

    Sven klare (Montag, 07 Mai 2018 20:07)

    Hallo Rene
    Das ganz klingt gar nicht abgefahren.
    Wenn ich so recht an meine letzte Beziehung denke (Mutti mit zwei Jungs), ab ich ganz ähnlich gefühlt. Und ich glaube bei mir war es auch ein Grund warum es nach 2 Monaten schief ging. Zum einen war ich glaube noch nicht so bereit für die 2 Familienwelt ( die Beziehung vorher, war Frau ohne Kind) zum anderen haben wir unterschiedliche Auffassungen, was Erziehung angeht �

  • #2

    Maria (Dienstag, 08 Mai 2018 09:03)

    Hallo René,

    als Patchworkfrau ohne eigene Kinder kann ich dir nur zustimmen. Ich setze sogar noch einen drauf, denn ich finde, dass es noch viel, viel mehr Konstellationen gibt, in denen ich mich teilweise auch außen vor fühle. Neulich war ich auf dem Kindergeburtstag meiner Bonus-Tochter und da gab es plötzlich überall Zeichen von - ich nenne es mal so - Familie 0, die "alte" Kernfamilie, also mein Partner und seine Ex-Frau plus die ganze Familie von beiden Seiten. Sie werden einfach immer eine Familie bleiben, auch wenn man es auf den ersten Blick nicht mehr sofort Familie nennen kann. Und das ist natürlich auch gut so. Ich fand, da haben auch noch mal alle ihre Rollen verändert...

    Viele Grüße
    Maria

  • #3

    Black-eyed (Donnerstag, 10 Mai 2018 09:21)

    Das sind leider immer die idealisierten Vorstellungen, die meist nicht in Erfüllung gehen. Als Stiefmutter soll man gefälligst alles toll finden und die Klappe halten und die Kinder wie die eigenen lieben. Aber so ist es leider in der Realität nicht. Es ist einfach was ganz anderes als eigene Kinder aber die Vorstellung ist das alte Familienleben geht einfach mit der zweiten so wieter. Nur leider geht das nicht es wird etwas ganz Neues geben. Es wird wohl immer mal wieder Situationen geben in denen man wohl mehrere Rollen einnimmt. Aber das kommt auch in aderen Familien vor.

  • #4

    Jasmin (Mittwoch, 18 Juli 2018 21:51)

    Ich als Mutter zweier Kinder und Partnerin eines Mannes mit einem Kind kann nur unterstreichen, dass es sogar noch mehr als nur diese zwei Rollen gibt, zumal wir nun unsere gemeinsames Kind erwarten.
    Es gibt mich und meine beiden Kinder, es gibt ihn und sein Kind, es gibt-an „kinderfreien“ Tagen-uns als Paar, es gibt uns zu fünft und dann zukünftig auch noch uns in den jeweiligen Konstellationen mit dem vierten Kind. Aktuell, auch im Urlaub, jonglieren wir ganz gut. Ich muss aber sagen, dass ich die Zeit allein mit meinen beiden Kindern sehr genieße. Alles fühlt sich sehr vertraut und eingespielt an. Wir drei waren zuvor länger allein und sing quasi im Flow in solchen Situationen.
    Es bleibt spannend....