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Tag 22 - Muttertag aus Patchworkvatersicht

Ja, wenn Ihr das lest ist der Tag schon fast rum, oder längst rum, denn ich schreibe gerade zum Abend des Muttertages erst den Beitrag. Und heute im Laufe des Tages wurde mir klar, dass ich dieses Thema mal thematisieren will. Nicht, weil ich gegen die Blumenhändler oder Juewelierversender schiessen will, sondern weil der Muttertag für einen Patchworkvater eine ungeahnte Komplexität und unglaublich fordernde Herausforderung darstellt. Jetzt seid ihr hoffentlich maximal gespannt! Zu recht!!!

 

Um es klar zu stellen: Ja, auch ich habe meine Mutter heute besucht, habe mich allerdings tagelang mit der Frage selber genervt, was ich ihr denn schenke und bin am Ende dann doch bei einer Topfblume hängen geblieben. Aber das Thema hat wohl jeder Sohn mit seiner Mutter. Das ändert sich nicht, wenn man Patchworkvater ist. Und es wird von Jahr zu Jahr schwerer, was passendes und irgendwie sinnvolles zu finden. Doch als Patchworkvater ist man mit einer ganz anderen Fragestellung konfrontiert, die wirklich ziemlich verzwickt ist. Es geht um die Frage, welche „Mutter“ man denn sonst so mit Geschenken versieht, was dabei zu berücksichtigen ist und welchen Kindern man wie bei der Besorgung unterstützt. Ich gebe zu, dass mir diese Frage erst heute so wirklich bewusst geworden ist.

 

Mein Töchterchen hat sowas wie Vatertag oder Muttertag bis zur letzten Wochen irgendwie ignoriert oder es war einfach an ihr vorbei gegangen, dass das ja vor der Tür steht. Und ich habe mich trotzdem gefragt, ob es meine Aufgabe ist, sie daran zu erinnern, dass sie für ihre Mutter etwas besorgt. Ihre Mutter bedeutet in dem Fall ja meine Ex-Frau. Und das bedeutet in vielen Fällen ja leider, dass man ein Geschenk besorgt oder die Tochter dabei unterstützt ein Geschenk für einen Menschen zu besorgen, der einem im Alltag jetzt nicht mehr so wichtig ist oder mit dem man nicht unbedingt gute Erinnerungen teilt. Zumindest aus der aktuellen Vergangenheit. Oder, wenn wir mal etwas tiefer bohren, vielleicht sogar für einen Menschen, den wir eher neutral bis negativ sehen. Trotzdem ist man als Vater ja daran interessiert, dass das Verhältnis zwischen Tochter und Mutter ja ein Gutes ist….irgendwie….und außerdem wollen wir ja bilderbuchhaft „Elternebene“ und „Paarebene“ trennen. (Oh Mann, bin ich stolz auf mich, dass ich das endlich mal hier unterbringen konnte!)

 

Doch dann gibt es ja noch diese andere Mutter im Leben eines Patchworkvaters. Die, die zur „neuen Familie“ gehört. Ich war da dieses Jahr mal so richtig vorbildlich und war mit den Jungs meiner Frau schon vorher einkaufen und habe ihnen geholfen, passende Geschenke auszusuchen, und sie so zu verstecken, damit sie sie ihrer Mutter dann zur passenden Gelegenheit geben konnten. 

 

Und das bedeutet, dass ich mehr Energie darin investiert habe, Geschenke für die Mutter meiner Bonus-Söhne zu besorgen als in ein Geschenk der Mutter meiner leiblichen Tochter. Denn ich liebe sie schließlich und sie ist die Frau und Mutter an meiner Seite. Trotzdem fühlt es sich komisch an, denn die beiden sind nicht meine Söhne. Und ihre Mutter ist nicht die Mutter meiner Kinder. Nicht wir haben diese beiden gemeinsam gezeugt und auf die Welt gebracht. Das war ja wer ganz anderes. Somit bin ich für die Mutterschaft so ganz und gar nicht verantwortlich. Aber der Mutter meines Kindes möchte ich auch nichts schenken und deshalb fühlt es sich auch komisch an, bei der Besorgung eins Geschenkes auch nur behilflich zu sein. Und es würde sich noch viel blöder anfühlen, wenn ich nicht vorher schon mit den Jungs unterwegs gewesen wäre. Ich will doch meine Frau besser behandeln als meine Ex-Frau.  Das ist doch wohl logisch. Aber meine Ex-Frau ist die Mutter meines Kindes und mein Kind will ihr natürlich was Gutes tun. Und man stelle sich nur mal vor, die Ex-Frau bekomme von ihrem Kind ein Geschenk (weil der Papa sich gekümmert hat) und die Frau und Mutter der Bonuskinder bekäme keins (weil es dem Papa der Jungs egal ist und ich mich nicht gekümmert hätte)?!? Könnt ihr mir und meiner wirren Gedanken noch folgen?!?! 

 

Und wie würde sich das für die Frau an meiner Seite anfühlen? Wenn ich mich mehr um ein Geschenk für meine Ex-Frau engagiere? Kann man da als Mann nicht nur verlieren? Aber ist es meine Aufgabe, sich überhaupt darum zu kümmern? Und ich bin doch schon hat genug damit geschlagen, etwas angemessenes und passenden für meine eigene Mutter zu besorgen? Und dann noch zwei weitere Mütter und zwischen denen auch noch die Balance halten und nicht zwischen die „Mütter-Fronten“ geraten…..? Puh, das ist echt kompliziert. Noch viel komplizierter als ich anfangs in der Patchworkwelt gedacht habe. Und schuld sind nur Fleurop & Co. Jetzt mal ehrlich: Ist dieser Tag nicht in den letzten Jahren einfach etwas „zu wichtig“ geworden in unserer Gesellschaft? Hat man nicht 365 Tage im Jahr Zeit, seiner Mutter einmal Danke zu sagen?

 

Und welche Rückschlüsse kann man dann noch daraus ziehen, dass ich am Vatertag weder mit dem Bollerwagen unterwegs war, noch ein Frühstück ans Bett bekommen habe oder einen selbstgepflückten Strauß Blumen auf dem Frühstückstisch gefunden habe?

 

Sag noch mal einer, wir Väter hätten es leicht! Aber wenigstens haben wir jetzt erstmal ein Jahr Ruhe….. ;-)

 

 

Und wir habt ihr das gehandhabt? Was erwartet ihr, liebe Mütter, von den neuen Männern in eurem Leben? Oder überlaßt ihr das ganz Euren Kindern? Und wie habt ihr den Spagat gelöst, ihr anderen Patchworkväter? Oder habt ihr des Tag einfach ignoriert? Wäre ja auch eine Lösung, oder? Vielleicht für 2019?!?! 

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Kommentare: 3
  • #1

    Dori (Sonntag, 13 Mai 2018 20:34)

    Also lieber Rene, bei mir wurde das eigentlich ganz charmant gelöst. Ich bekam von meinem Ex-Mann virtuelle Blumen und einen Dank geschickt als Anerkennung dafür , dass ich seiner Meinung nach die Kinder gut und liebevoll erziehe....von meinem Partner Anerkennung, Blumen aus dem Garten und liebe Worte, für den täglichen Einsatz, den er miterlebt...und von meinen Kindern eine dicke Umarmung, Gedicht und gemaltes Bild...und ebenfalls liebe Worte� ...Ganz ehrlich: besser kann es nicht laufen! Kein Stress, das irgendwer, irgendwem Dinge besorgen muss oder ähnliches. Und noch ehrlicher gesagt: ein harmonischer Tag ist für eine Mama doch allemal mehr Wert als der Tant, der in den Ecken steht. Solche Werte sollten Kindern sich doch eigentlich vermittelt werden.�

  • #2

    Sven (Sonntag, 13 Mai 2018 21:14)

    Hallo Rene
    Ich habe meiner Ex-frau alles Liebe zum Muttertag gewünscht. Aber geschenkt habe ich auch nichts.
    Hätte ich die Frau noch an meiner Seite, von der ich dir das letzte mal geschrieben habe, hätte ich es genauso gemacht wie du und wäre mit den Jungs was kaufen gegangen.

  • #3

    Maria (Montag, 14 Mai 2018 10:09)

    Ich denke, wenn du dir mit deiner Tochter was für deine Ex-Frau überlegst, machst du das nicht für deine Ex-Frau, sondern für deine Tochter, oder? Bin mir sicher, dass das von deiner Frau nicht so empfunden wird, als würdest du (zu) viel Energie auf deine Ex-Frau verwenden! So geht es mir jedenfalls...

    Grüße,
    Maria