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Tag 24 - Augen auf bei der Wahl der Partnerin oder sind kinderlose Frauen die besseren Stiefmütter?

Ich fange einen Blog Text wirklich in der Regel mit der Überschrift an. So auch diesen. Und als ich diese so runter getippt habe, habe ich vor meinen Augen groß das Wort „Shitstorm“ gesehen. Ach was soll’s. Augen zu und durch.

 

Warum komme ich überhaupt auf das Thema? Bevor jetzt die falschen Gedanken aufkommen: ich bin mit meiner Beziehung und meiner Frau weiterhin sehr glücklich und ich schreibe nicht darüber, weil ich zweifle. Das will ich vorweg klar stellen!!!

Trotzdem haben wir in den letzten 4 Jahren oft darüber gesprochen, ob es einfacher wäre, wenn ich mir nach meiner Ehe nicht eine Frau mit zwei süßen Jungs geangelt hätte (okay, sie hat mich geangelt, aber das darf man als Mann ja nicht zugeben), sondern einfach eine Frau ohne eigene Kinder. Denn dann würde Patchwork in dem Fall eigentlich gar keine echte Patchworkwelt sein, sondern einfach „nur“ alle zwei Wochen mal Zeit mit Tochter, Papa und neuer Partnerin. Keine Eifersucht zwischen den Kindern, keine Anpassung der Wohnsituation an drei Kinder und keine Anpassung des gemeinsamen Wohnortes an die Schulorte der Kinder, die mehr Zeit in der Patchworkwelt verbringen. Keine Diskussion über „dein Kind darf das und meine dürfen es nicht“, keine bereits etablierten zwei Erziehungsstile, kein halber Umzug, wenn mal was zu fünft unternehmen will……

Klingt alles logisch, oder? Trotzdem habe ich mich bewusst für eine „Mutter“ (neudeutsch MILF) entschieden. Ich bin mir zwar gerade gar nicht so sicher aber ich meine, dass ich sogar in dem „alle 11 Minuten“ Portal angegeben habe, dass ich Frauen mit Kindern suche. Weil ich bei meinen Dates vorher durchaus schon gemerkt habe, dass eine kinderlose Frau dafür ganz andere Themen und Fragestellungen  in die Beziehung mitbringt. Ich will das „zweite Geige“ Thema nicht wieder hoch nehmen. Da gab es ja schon die eine oder andere sehr berechtigte, kontroverse Meinung dazu. Und ich habe durchaus bemerkt, dass ich mit meiner Einstellung zu diesem Thema bei vielen Damen für Entrüstung gesorgt habe. Und das habe ich halt auch bei den Dates gemerkt. 

 

Aber warum macht Man(n) sich da überhaupt Gedanken drüber? Naja, als ich nach der Trennung von der Mutter meiner Tochter wieder nach vorne geguckt habe, habe ich noch gedacht, dass ich quasi jeden Abend durch die Kneipen und Diskotheken der Stadt ziehe und dann schon meine „Zukünftige“ kennen lerne. Mit Ende 30 ein Trugschluss. Meine Kumpels waren selbst gesettelt, hatten ihre Familien, ihre Verpflichtungen. Die Zusage, dass man gemeinsam mal auf Piste geht, war ein frommer Wunsch und wurde nie wirklich umgesetzt. Also geht Man(n) dann in die Onlinewelt…..und da gibt es dann die Möglichkeit, gewisse „Prämissen“ vor zu geben. In der Kneipe hätte man sicher nicht am Tresen als erstes gefragt: „Hast du eigene Kinder“? Dank der neuen Datingplattformen kann man sich aber dazu vorher Gedanken machen und es als Selektionskriterium nutzen.

 

Aber ist das gut? Ist das richtig? Geht es nicht am Ende darum, überhaupt eine Seelenverwandte zu finden und ist die Frage ob mit oder ohne Kinder völlig egal?!? Warum machen wir uns vorher Gedanken um Dinge, die völlig egal sind, wenn man sich wirklich tief und innig liebt?

Und ich habe mein Glück und diese Liebe nunmal bei einer Frau gefunden, die zwei tolle Jungs mitbringt. Und die sind eine echte Bereicherung für mein Leben. Ich hatte einfach richtiges Glück! Und vermutlich hätte ich mich genauso in diese Frau verliebt, wenn sie keine eigenen Kinder gehabt hätte. Ob sie allerdings das Verständnis für mich gehabt hätte, dass sie jetzt zeigt, weiß ich nicht und wird für immer ungeklärt bleiben. Denn liegt das am Charakter, an der Erziehung oder an der Entwicklung, wenn man selber Kinder bekommt, dass man meine verschrobene Vaterdenke akzeptiert? Ich weiß es nicht. Dafür gibt es Profis, die das erklären können. Ich bin keiner.

 

Am Ende kommt es daher auf den Partner oder die Partnerin an! Nicht auf „mit eigenen Kindern“ oder „ohne“. Davon bin ich überzeugt!!!

 

Dass es aber auch in der Konstellation, in der die neue Partnerin keine eigenen Kinder in die Patchworkwelt mit einbringt nicht immer zu 100% rund läuft und es wieder ganz andere Themen und Baustellen gibt, hat eine Leserin dieses Blogs aufgenommen und ihren eigenen Blog gestartet. Guckt doch bei Mia und auf "Papas Neue"  vorbei. Wieder eine andere und wichtige Perspektive. 

 

Langsam entwickeln wir ein Netz von Blogs der verschiedensten Perspektiven. Finde ich toll! Und das macht mal wieder deutlich: 

 

 

Die Patchworkwelt ist herrlich bunt! Also nur Mut!

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Kommentare: 4
  • #1

    Soul (Donnerstag, 24 Mai 2018 14:02)

    Also ich habe damals tatsächlich meinem Mann über eine Onlineplattform kennengelernt. Und mein einzigstes Kriterium war-er muss eigene Kinder haben! Wieviele ob eins oder vier war mir egal. Mir ging es darum,das dieser jemand wusste,wie hart Eltern sein eigentlich ist. Und wie es mit einem Baby ist. Ich war alleinerziehend,mein Sohn 5 Monate alt und kam aus einer Gewaltbeziehung. Ich habe direkt in meinem Profil reingeschrieben was ich suche und was ich durchgemacht habe. Und tatsächlich bestand auf der Seite der Männer(also die meisten) die keine Kinder hatten,so gar kein Verständniss. Da kamen Sprüche wie : Lass das Kind doch eine Woche bei Oma dann können wir wegfahren. Muss das Kind jetzt mit? Warum kannst du nicht um 23 uhr mit ins Kino? Etc. Usw. Während die fronten sofort geklärt waren bei denjenigen mit Kind/Kindern. Egal obs nun passte oder man sich mit den Kindern verstand oder nicht. Der Gegenseitige Respekt und das Verständniss als Elternteil war da. Zu wissen das es nicht böse gemeint ist,wenn man doch nicht kommen kann,weil das Kind plötzlich erkrankt ist. Sondern überraschend vor der Tür stehen ,wortlos Medikamente und Kleinigkeiten fürs Kind überreichen ,und sich dann mit 2 stunden ums kranke kind Kümmern. -Genau das machen Eltern. (Natürlich schere ich nicht alle kinderlosen über einen Haufen)

    Ich würde vermutlich hät ich keine kinder mir einen partner ohne kinder suchen. Ansonsten würd ich es immer wieder so machen. Trotz all dem Stress,Tränen und leid was uns als Patchworkfamilie 5 jahre nun begleitet hatte zum teil. Einfach so aufgeben kann jeder.

  • #2

    Birgit (Dienstag, 29 Mai 2018 13:45)

    Ich habe nicht nach einem Mann mit Kindern gesucht und ihn trotzdem oder gerade deswegen gefunden. Und es gibt wahrlich andere Themen und doch ähnliche, wenn man als Frau keine Kinder hat und der Partner schon. Die Zeit zwischen Kinderwochenenden sind schon gut für die Zweisamkeit, aber die Kinder sind doch ständig präsent. Mein Partner ruft sie regelmässig an, um in Kontakt zu bleiben. Es gibt einmal in der Woche ein Elterntelefonat. Es gibt aufgrund der nahen Wohnsituation manchmal Kind(er) wohin zu fahren, also meist der Vater. Ich darf nur in Ausnahmefällen.
    Wir planen einen Umzug, auch da die Frage wann ziehen wir um, wann sind die Kinder auch schon dabei.
    Und on top kommt bei uns ein Kinderwunsch dazu, der sich bei den letzten 2 Schwangerschaften nicht verwirklichen lies. So, da stehe ich als Frau, sehe, dass mein geliebter Partner mit der Ex 2 Kinder hat und mit mir will es (noch) nicht funktionieren... diese Gefühle sind kaum zu beschreiben. Es ist viel Eifersucht dabei, warum sie und ich nicht...
    Das kleinere Kind hat auch schon ein paar mal geäußert zum Papa ziehen zu wollen. Spricht von mir als Ersatzmama. Kuschelt von Anfang an freiwillig mit mir....
    Und dann trotzdem nur am Rande zu sehen zu können, weil ich ja nicht entscheidungstragend bin. Als Scheidungskind, welches ich selber bin, tut mir das alles selber weh. Und nach 3 Jahren bin ich noch immer nicht viel gescheiter, vielleicht ein bisschen gelassener, aber nur ein bisschen.
    Ich bin der Meinung man kann sich den Partner zwar aussuchen, aber was zusammengehört findet sowieso zusammen, egal wen oder was man sucht. Und leichter oder schwerer ist hier denke ich auch nicht die Frage, es ist anders. Aber das ist doch jede Familie, die Patchworker erst recht.

  • #3

    Steffi (Donnerstag, 31 Mai 2018 11:32)

    Wir haben die "Patchwork Deluxe-Version":Die Exfrau meines Mannes hat eine Tochter in die Ehe mitgebracht,gemeinsam haben sie zwei Töchter bekommen, ich habe einen Sohn mit in die Beziehung gebracht und seit ein paar Monaten gibt es unseren gemeinsamen Sohn.Mittlerweile leben wir mit den beiden leiblichen Töchtern meines Mannes und den beiden Jungs zusammen,die Exfrau hat nur noch 14 tägiges Besuchsrecht.
    Es ist manchmal wahnsinnig anstrengend,allen gerecht zu werden,aber ich habe gelernt,dass es wichtig ist,nicht zu urteilen und den Kindern mit viel Liebe zu begegnen.Auch wenn ich manchmal kopflos bin,weil ich innerhalb von 1,5 Jahren von einem Kind bei vieren angekommen bin,bin ich doch sehr dankbar für meine Familie.
    Denn Patchworkstress hin oder her...was ist denn die Alternative?Mit dem eigenen Kind als Singlemutter allein zu bleiben oder sich ins Getümmel zu stürzen?;)

  • #4

    Eleonore (Dienstag, 23 Oktober 2018 10:13)

    Ich bin mit einem Mann zusammen der aus erster Ehe einen Sohn hat und ich muss sagen: Sollte die Beziehung scheitern, dann schließe ich alle Väter in Zukunft aus.
    Dennoch hat mein Freund etwas, was andere Männer nicht haben. Er ist in der Lage Verantwortung zu übernehmen und geht mit Stresssituationen sehr Souverän um. Bei ihm weiß ich 100%, wenn wir eigene Kinder bekommen, dann bin ich nicht alleine und er kann anpacken.
    Mein Partner hat durch seine erste Ehe ziemliche Verlustängste entwickelt (Exfrau ging fremd, hat mittlerweile 3 Kinder von 3 Männern) und daher behandelt er mich wie seine first Lady. Er hat den Traum einer normalen Familie noch nicht aufgegeben und für ihn selbst kam nur eine kinderlose Frau in frage. (Er hatte die Tochter seiner Ex großgezogen).
    Und diesen Traum können wir uns erfüllen. Klar haben wir noch ein Besucherkind, das ist aber nur alle 14 Tage da und in den Ferien nehme ich keinen Urlaub und die Jungs können zu zweit was unternehmen. Außerhalb der Besucherzeiten nehmen wir uns ganz viel Zeit für uns und arbeiten an uns. Sonst würde es nicht funktionieren. Sein Sohn und ich respektieren uns, es ist aber eher ein geschwisterliches Verhältnis, da ich eine Schwester im selben Alter habe. Ich komme aus einer Großfamilie und der Lütte guckt sich gerne meine Familienfotos an, er sagt immer, dass er keine richtige Familie hat. Alle Geschwister haben andere Väter und werden anders behandelt. Das macht ihn schwer zu schaffen.