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Tag 30 - Urlaubszeit oder die Entscheidung zwischen den Familien fällt selten so schwer wie jetzt!

Sommer, Sonne, Urlaubszeit. Auch ich stehe kurz vor dem Urlaub. Endlich! Das Jahr war insgesamt sehr bunt bei mir, bisher  so dass ich echt froh bin, dass jetzt zwei Wochen Urlaub vor der Tür stehen. Eigentlich……

Denn mit dem Urlaub kommt zumindest für mich als Patchworkvater in der jetzigen Situation auch der Punkt, dass man wieder jemanden vor den Kopf stossen muss. Warum? Ich werde es erklären.

 

Seit dem Beginn funktioniert die Patchworkbande zu fünft irgendwie ja nicht wirklich reibungslos. Das hat viel mit Verlustangst, Eifersucht und was weiß ich noch alles zu tun. Leider. Und alle bisherigen Bemühungen das zu ändern, sind bisher erfolglos geblieben. Und wir haben es wirklich versucht. Aber man kann es nunmal nicht erzwingen.

Und somit standen wir wiedermal vor der Entscheidung: Urlaub zu fünft oder Urlaub getrennt. Und wir haben uns gegen zu fünft entschieden. Beide. Gemeinsam. Und beide mit Wasser in den Augen, irgendwie. Und mit einem „naja, dann halt in 15 Jahren, wenn die Kinder eh keinen Bock mehr auf uns haben“…..

Und es ist zum einen wirklich erstaunlich, wie einfach es ist, wenn man als „Single mit Kind“ (so die offizielle Hotelbezeichnung) ein Last Minute Angebot sucht und wenn man dann mal als fünfköpfige Familie etwas sucht. Und wir stehen dann vor der Situation, dass wir auch nicht mal eben zwei Doppelzimmer buchen können, da die Kinder sich sonst vermutlich spätestens an Tag 3 an die Gurgel gehen. Die Alternative, die Zimmer dann nach biologischen Familien getrennt zu belegen, fühlt sich auch nicht richtig an. Also eine verzwickte Situation. Man steht vor den lang ersehnten zwei Wochen mit der eigenen Tochter und steht eigentlich vor einem Berg Probleme. Und als Patchworkvater kann man dabei gerade nur verlieren, da man so oder so jemanden vor den Kopf stösst. Eine Lösung, die alle Beteiligten glücklich macht, gibt es leider nicht.

Aber ich wollte dieses Jahr unbedingt raus. Die letzten Wochen mit neuem Job, mit der Entscheidung gegen das Wechselmodell, mit gesundheitlichen Kapriolen….das schrie quasi nach Urlaub, abschalten, Seele irgendwie mal baumeln lassen. Und somit habe ich es getan…..ich habe eine Woche nur mit meiner Tochter gebucht.

 

Sie hat sicher auch irgendwie ein „Anrecht“ darauf, in den Ferien auch Zeit exklusiv mit dem Papa zu verbringen. Gerade, wo sie mit der Patchworksituation so gar nicht klar kommt. Aber trotzdem ist es ein so trauriger Vorgang. Vor mir liegt eine Woche Sonne, Strand und Meer und das alles ohne den Großteil der Patchworkbande, ohne meine Frau an meiner Seite. Und nicht nur ich finde es traurig. Auch der Rest der „Bande“ ist irgendwie traurig, enttäuscht, fühlt sich vielleicht sogar zurück gelassen.

 

Und das meine ich mit „sich für eine Familie entscheiden“. Kein Urlaub als Paar einfach nur zu zweit. Kein Urlaub als Patchworkbande zu fünft und auch kein Urlaub nur mit meiner Frau und ihren Jungs, sondern am Ende nur meine Lütte und ich. Und mit der Entscheidung für eine Lösung entscheidet man sich ja gegen eine andere. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe bisher nur maximal 3 Tage, also ein verlängertes Wochenende mit meiner Frau exklusiv im „Kurzurlaub“ verbracht. Mehr war nie drin, da ich meine Urlaubstage ja für die Zeit mit meiner Tochter aufspare. Und da der Urlaub zu fünft für uns alle leider momentan nicht in Frage kommt, weil wir wissen, dass es eher Streit und Unfrieden geben würde, war die einzige Lösung mit einem möglichst hohen Erholungsfaktor diese. 

Und damit stoße ich irgendwie allen anderen wiedermal vor den Kopf. Und das tut weh. Und es tut mir so leid.

 

Aber auch das ist die Welt des Patchworkvaters. Selbst der Sommerurlaub wird zum Balanceakt, zu einer Entscheidung voller pro und contra. Und unbeschwerter Sommerurlaub sieht wahrlich anders aus, oder?

Und trotzdem werde ich versuchen, die Zeit zu geniessen und meiner Tochter ein guter Vater zu sein. Und auch wenn ich meine Frau ständig vermissen werde, wenn ich am Strand lieber mit drei Kindern im Wasser toben würde….ist es kostbare Vater-Tochter Zeit. Unsere einzigen zwei Wochen am Stück im Jahr. Und deswegen so wichtig. Ist es aber richtig, auf eine Person so viel Rücksicht zu nehmen? Gerade weil es jetzt ja nicht so ist, dass der Rest der Bande sich nicht alle Mühe geben würde? Ist es „erlaubt“, so zu entscheiden? Ist es „fair“, dass vier Leute aus der Bande verzichten, weil nur eine Beteiligte damit nicht klar kommt? Ich kann es nicht sagen.

 

Aber bitte versteht die Patchworkväter, wenn sie in ähnlichen Situationen so entscheiden wie ich. Wir wägen ab. Wir machen uns darüber einen Kopf. Denke ich zumindest. Also ich tue es. Und wir würden sicher gerne oftmals anders entscheiden. Aber wir entscheiden am Ende im Interesse unserer leiblichen Kinder, die in der Patchworkonstellation oftmals die „Gäste“ sind. Denen es vielleicht schwerer fällt, zu teilen.

Und ich weiß, dass jetzt viele denken: „Ey, das Leben ist kein Ponyhof. Entscheide doch anders.“  Und ich sage: Das fällt mir zu schwer. Weil ich am Ende weiß, dass meine Tochter keine Entscheidungsmöglichkeit hatte. Weder bei der Trennung der Eltern noch bei der Wahl meiner neuen Familie. Und sie hat ein Recht auf Urlaub mit dem Papa. Und sie hat sicher auch das Recht auf unbeschwerte Tage, auf Seele baumeln lassen, einfach Kind sein. Und als Vater muss man dann halt einfach zurück stecken. Meine Meinung. Keine Weisheit. Kein Gesetz. Nur meine Sichtweise…..

 

 

Schönen Urlaub Euch Patchworkvaterbloglesern!!!!

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Kommentare: 6
  • #1

    Sven klare (Montag, 16 Juli 2018 08:52)

    Das kommt mir irgendwie bekannt vor

  • #2

    Maria (Montag, 16 Juli 2018 09:00)

    Lieber René,

    darf ich fragen, was genau das Problem beim gemeinsamen Wegfahren ist? Verstehen die Kinder sich nicht? Versteht sich deine Tochter nicht mit deiner Frau?

    Liebe Grüße
    Maria

  • #3

    Amy (Montag, 16 Juli 2018 21:32)

    Das würde für mich auf Dauer nicht funktionieren. Ich stelle mir die Frage: wo fängt das Rücksicht nehmen an und wo hört es auf?

    Ich höre bei dir raus, dass deine Tochter im hohem Maße über allen und allem steht. Respekt an deine Frau!

  • #4

    Ina (Dienstag, 17 Juli 2018)

    Hallo René, egal wie man sich entscheidet, irgendjemanden wird man damit immer vor den Kopf stoßen. So auch bei der Entscheidung für ein bestimmtes Urlaubsmodell. Ihr habt euch die Entscheidung nicht leicht gemacht und eure Abwägung verdient großen Respekt. Macht nun nicht den Fehler, diese Urlaubsentscheidung wieder in Frage zu stellen. Es ist eure Zeit, die deiner Tochter und deine. Genießt sie und habt einen schönen Urlaub!

  • #5

    Mari (Dienstag, 24 Juli 2018 11:45)

    Ich finde es föllig ok, dass du auch mal mit deiner Tochter alleine wegfährst. Ich würde diesen Zustand aber als Dauerlösung als Stiefmutter nicht mitmachen. Diene Tochter fährt auch mit ihrer Mutter in den Urlaub und ist oft nicht bei dir. Warum kannst du dann nicht mir diene Frau fahren? Ihre Kinder sind ja bestimmt auch in den Ferien beim Vater. Da sied ihr sich bestimmt mal alleine und könnet mal Urlaub machen. Also wenn man möchte Klapp sowas auch. Ist dann nur evt ein Kostenfaktor.

  • #6

    Mari (Sonntag, 05 August 2018 15:45)

    Ich denke nur weil du eine Tochter hast sollst du auch deine Berdürfnise leben und somit ein Vorbild für deine Tochter sein. Kinder haben feine Antenen und merken schnell wenn es einem nicht gut geht. Alle berdürfnisse wegen den Kindern hinten abstellen ist auf Dauer nicht gut für dich und die Beziehung. Dieses Jahr alleine mit deiner Tochter dafür nächest mit deiner Frau.