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Tag 33 - Das Fest der Liebe und wie man als Patchworker damit umgeht

Und wieder war es lange ruhig hier. Ein neuer Job hat mich ziemlich beschäftigt und irgendwie hatte ich nicht die Ruhe, mich mit dem Blog zu beschäftigen. Und dann kam plötzlich die Adventszeit. Adventszeit heißt ja bekanntlich, dass Weihnachten bald vor der Tür steht. Was bedeutet jetzt aber das so heilige Fest der Liebe für den Patchworker? Totales Chaos oder totale Entspanntheit? Die Wahrheit liegt sicher irgendwo dazwischen.

 

Die erste Frage, die wir uns jedes Jahr stellen, ist, wo sind die Kinder wann und wieviel Zeit verbringen wir gemeinsam. Und wenn gemeinsam, dann natürlich wo und mit „was“. Das war dieses Jahr relativ einfach, da klar war, dass ich am Heiligabend arbeiten musste. Da war wenig Zeit für die besinnliche Weihnachtsvorbereitung. Und somit war ich Heiligabend kinderlos. Und meine Frau hatte ihre beiden Jungs nur Heiligabend vor Ort und war dann ab dem ersten Feiertag kinderfrei. Da hatten wir uns mal wieder so richtig gut abgesprochen. Es lebe die Planung!

Aber man darf dabei halt immer nicht vergessen, dass es bei dieser Planung immer auch noch einmal die Kindsmuttter und auf der anderen Seite den Kindsvater gibt. Und die haben ja auch Wiederrum dann Partner im Idealfall auch noch mit Kindern und diese Partner haben dann wieder Expartner, die dann Wiederrum auch Kinder haben und auch Expartner und die haben dann auch wieder neue Partner mit Kindern und die..……also…..soll heißen, dass das wahrlich ein gordischer Knoten ist, den man als Patchworker nie zur Zufriedenheit aller auflösen kann. Und nur wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist, kann man das Fest der Liebe und den Jahreswechsel überhaupt ertragen, ohne sich ständig an den Kopf zu fassen. Man schafft es als Patchworker einfach nicht, es allen recht zu machen. Dessen muss man sich bewusst sein. Patchwork ist halt ein ständiger Kompromiss. Erwähnte ich das bereits?

 

Also gab es für meine Tochter die erste Enttäuschung: Heiligabend nicht wie gewünscht beim Papa, da der ja arbeiten musste. Und für mich ging es nach dem Büro dann zu meiner Frau und ihren Jungs, meinen Bonus-Söhnen. Und ja, es war ein komisches Gefühl. Das erste Mal seit 7 Jahren Heiligabend nicht in der eigenen Wohnung oder, was echt auch mehr als nur seltsam war, „heile Welt spielend“ im Haus meiner Exfrau (also in dem Haus, das ich gebaut habe. Das war wirklich sehr spooky! Aber was tut man nicht alles aus Schuldbewusstsein, damit es dem eigenen Kind gut geht. Also weil man denkt, dass es dem eigenen Kind damit gut geht).

 

Heiligabend „zu Besuch“ bei einem Teil meiner Patchworkbande. Der Besuch der Kirche nach vielen Jahren mal wieder - als Gast. Die Bescherung mit leuchtenden und aufgeregten Kinderaugen, die nicht zu meinem Kind gehörten. Und dann zu den Großeltern von den Jungs und somit „der Neue“ am Heiligabend bei meinen potentiellen Schwiegereltern. Keine eigenen Traditionen, einfach alles auf Anfang, alles neu. Man ist dabei, man ist Besuch, man ist Teilnehmer, man ist Zuschauer. Und auch für meine Bonus-Söhne ist plötzlich ein neuer Teilnehmer unterm Weihnachtsbaum. 

 

Für mich ist Weihnachten immer der emotionalste Feiertag des Jahres. Er war für mich immer der Inbegriff von Familie. „Driving home for christmas“ von Chris Rea war immer der Song, der mein Gefühl von Weihnachten am Besten beschrieben hat. Und plötzlich ist man in einem ganz neuen Umfeld. Das Gefühl hatte ich zuletzt, als ich das erste Mal Weihnachten mit den Eltern meiner Exfrau verbracht habe. Das ist jetzt 20 Jahre her. Und es ist gar nicht so einfach, sich da wieder einzufügen. Weil ja nicht nur die Eltern der Partnerin da sind, sondern auch die Kinder. Kinderaugen, Kinderstimmen, Kinderlachen. Nur das eigene Kind ist nicht dabei. Und natürlich dachte ich in der einen oder anderen Situation daran, wie es wohl gerade meiner Tochter ergehen mochte. Und natürlich habe ich sie mir auch mehr als einmal dazu gewünscht. Und natürlich kämpfte ich bei aller feierlichen Stimmung auch mehr als ein Mal mit der Traurigkeit. Nur zeigen darf man sie nicht, denn es sind ja Kinder da, die das "Kinderfest der Feste" feiern und geniessen wollen und die ja so gar nichts dafür können, dass ihre Eltern nicht mehr zusammen sind.

 

Trotzdem war es ein tolles Gefühl, wieder Weihnachten als Teil einer „großen Familie“ zu verbringen. Nicht nur „Vater und Tochter“ sondern wirklich über mehrere Generationen als Familie zusammen kommend. Und ich war willkommen. Auch das ist nicht selbstverständlich und dafür war ich sehr dankbar. Und ich werde mich sicher jedes Jahr ein Stück mehr daran gewöhnen. Und vielleicht wird irgendwann auch meine Tochter dabei sein. Das wird dann wieder ein anderes Gefühl, eine andere Stimmung. Und wie muss das erst für sie sein? Ich vermag mir das gar nicht auszumalen, wie sich das dann für sie anfühlen mag. Sicher genauso „neu“ und „ungewohnt“ wie für mich. Nur dass sie es sich nicht ausgesucht hat und sich die Menschen nicht aussuchen konnte. Das sollte man dabei immer stets im Hinterkopf haben, denke ich.

 

Am Ende ging es dann nach einem leckeren Essen und einigen „lauten Stunden“ wieder nach Hause in die Wohnung meiner Frau. Und schließlich ging der Heiligabend zu Ende und es war ein tolles Gefühl, nicht alleine im Bett zu liegen und den Tag als Patchworkvater verbracht zu haben und nicht nur als „Scheidungsvater“. Und es bleibt die Hoffnung, dass auch dieses heilige Familienfest am Ende als Patchworkfamilie richtig gut werden wird. Und am ersten Weihnachtsfeiertag sollte es ja weiter gehen. Doch das wird ein weiterer Blog-Eintrag, denn das war dann ja wieder eine ganz andere Familienkonstellation....

 

 

Und wie habt ihr Weihnachten als Patchworker? Wie fühlt es sich für Euch an? Schreibt es mir in die Kommentare. Ich bin gespannt. Und jetzt: Guten Start in 2019!!!

 

(Und ich gelobe Besserung und wieder regelmäßigere Einträge, so dass sich das regelmäßige Vorbeikommen wieder lohnt. Und wer einfach gerne eine Mail haben möchte, wenn es einen neuen Eintrag gibt, nutzt den Newsletter. Es gibt garantiert keine Werbung.)

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Kommentare: 1
  • #1

    Sven (Freitag, 04 Januar 2019 08:17)

    Was soll ich sagen. Ich hatte dieses Jahr zum ersten mal meinen kleinen an Heiligabend. Meine Ex-frau ich haben uns den Tag geteilt. Vormittag war der Zwerg bei mir und ab Nachmittag bei der Mama. Es war schön ihn zu haben und Tat um so mehr weh ihn am Nachmittag abzugeben. Die Jahre zuvor hatte ich ihn an den Feiertagen. Aber wie du schon sagst, es ist immer ein Kompromiss und egal wie er tut immer weh, weil etwas fehlt.