· 

Tag 34 - Wie schnell "Distanz" einfach so entsteht

Es war wiedermal lange ruhig hier im Blog. Mein letzte Job hat mich leider zu viel Zeit und Energie gekostet, so dass ich einfach so gar keine Lust hatte, hier etwas zu schreiben und zu veröffentlichen. Und damit kommen wir auch schon zum heutigen Thema.

 

Ich hatte wie gesagt die letzten Monate einen Job, der mich komplett vereinnahmt hat. Viel Zeit im Büro, keine Flexibilität, familienunfreundliche Arbeitszeiten….und ich war nur noch eine Hülle. Am Abend, wenn ich dann mal nach Hause zu meiner Patchworkbande kam, wollte ich mich nur auskotzen und dann meine Ruhe. Ich war nicht einmal mit den Jungs irgendwie draussen oder habe mich ernsthaft um sie gekümmert. Ich war unaufmerksam, unausgeglichen und vermutlich auch unausstehlich (die heiligen 3 „un“´s). Aber ich war wenigstens abends und morgens überhaupt da. 

 

Für meine Tochter lief es mindestens genauso schlecht. Normalerweise holte ich sie freitags immer von der Schule ab, um sie zum Klavierunterricht zu bringen. Das mussten meine Eltern übernehmen. Schön, wenn sie dann Zeit mit den Großeltern verbringt. Schade, wenn es die wenige Zeit mit dem Vater noch weiter reduziert. Und am Freitag abends dann noch losfahren und sie holen, hat mich nur auch wieder Kraft gekostet, die ich nicht hatte.

Und sie bleibt ja nun im Regelfall bis Dienstag bei mir. Das bedeutet, am Montag Nachmittag war sie auch zu Hause alleine. Und wenn ich dann gegen 19:00 nach Hause kam, hatten wir noch ein wenig Hausaufgaben und Abendbrot und dann ging es ins Bett.

Somit blieb wirklich nur der Samstag und der Sonntag als exklusive Vater-Tochter-Zeit. Und das war an sich schon wenig Zeit, die dann natürlich noch gefüllt war mit dem Wochenendprogramm wie Einkaufen, Putzen, Wäsche waschen…

 

Die einen werden sagen: „Ist halt normaler Alltag“ und damit haben sie sicher auch recht. Ich aber sage, dass es dann nur 4 Tage im Monat sind, die ich meine Tochter wirklich sehe. Und das ist einfach viel zu wenig. Ganz davon abgesehen, dass ich am Wochenende eigentlich nur schlafen wollte.

 

Und dann gibt es ja noch den Rest der Patchworkbande. Und wir sind ja eigentlich dabei, dass sich alle weiter etwas annähern. Also auch noch einen Nachmittag zu fünft? Also noch etwas von der exklusiven Vater-Tochter-Zeit abgeben, um den Patchworkgedanken weiter voran zu treiben? Ein Spagat, wie ich ihn lange nicht mehr machen musste. Zu wenig Zeit für die eigene Frau, zu wenig Zeit für die eigene Tochter und zu wenig Zeit für die Bonus-Söhne. Ein ziemliches Dilemma.

 

Und so kam es, wie es kommen musste. Nicht mit einem Knall, sondern langsam und schleichend. Und es wird mir leider erst jetzt, hinterher, bewusst: Meine Tochter und ich haben eine Distanz zwischen uns, die wir so noch nie hatten. Zumindest fühlt es sich für mich so an. Die Bindung zur Mutter ist noch stärker geworden und ich bin da jetzt irgendwie „raus“. Vielleicht hat es auch mit der natürliche Entwicklung eines jungen Mädchens zu tun, dass es einfach Phasen gibt, in denen die Mutter mehr Ansprechpartnerin ist als der Vater. Aber momentan bin ich einfach weit weg. Eine „gefühlte Distanz“. Es gipfelte damit, dass meine Tochter darauf verzichten wollte, meinen eigenen Geburtstag mit mir zu verbringen, da sie sonst zu wenig Zeit bei ihrer Mutter hätte.

 

Ja, ich weiß, ich habe was von „4 Tagen im Monat“ geschrieben. Und ja, das war die letzten 5 Monate auch wirklich so. Das ist nicht untertrieben. Und trotzdem hat mein Töchterchen Angst, zu wenig Zeit für die Mama zu haben. Ich denke, da kann man wirklich von „Distanz“ sprechen. Oder halt „Entfremdung“. Und natürlich stelle ich mir die Frage, in wie fern das auch sogar angetrieben wurde. Vielleicht gar nicht absichtlich. Aber ab und an mal ein kleiner Hinweis, wie wichtig dem Vater offensichtlich sein neuer Job ist und wie unwichtig damit die eigene Tochter ist….

 

Und wieder muss ich mich als Patchworkvater entscheiden. Nehme ich das so hin und verbringe einfach mehr Zeit mit meinen Bonus-Söhnen, die dankbar sind für mehr Zeit mit mir oder versuche ich das Rad zurück zu drehen und wieder mehr Nähe und Vertrauen zu erzeugen? Und ist am Ende genau dieser Wunsch, wieder mehr Nähe zu erzeugen das, was man umgangssprachlich als „die Eltern zerren am Kind herum“ bezeichnet? Sollte ich sie einfach ihren Weg gehen lassen? Und geht es mir bei dem Wunsch nach Nähe eigentlich um das Interesse meines Kindes oder ist das eventuell purer Egoismus?

 

Die gute Nachricht ist, dass ich den Job nicht mehr habe. Ich hätte also viel Zeit, um mich um mein Töchterchen zu kümmern. Aber soll ich das überhaupt? Und will sie das überhaupt. Mein erster Eindruck ist, dass sie es eigentlich nicht will. Ich weiß es gerade nicht. Was ich weiß ist, dass da andere Kinder  sind und mich mit offenen Armen empfangen würden…..

 

 

Ach ja, und nebenbei muss ich mir einen neuen Job suchen. Einen, der so familienfreundlich ist, dass ich ihn als Patchworkvater gut ausfüllen kann, einen, der dafür sorgt, dass ich Miete und Unterhalt zahlen kann und einen, der mir auch noch Spaß macht. Sieht verdächtig nach drei Jobs aus, oder?!?!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Hans (Freitag, 12 April 2019 11:43)

    Ich glaube, Du kannst das Rad nicht zurück drehen. Ich plädiere dafür, sich um das aktuelle Leben zu kümmern, gerade wenn da Offenheit herrscht. Wenn sie nicht will, kann man es nicht erzwingen.
    Just my thoughts...
    Hans