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Tag 40 - Die nächste Lebensphase klopft an die Tür

 

Jetzt ist es also so weit. Am vergangenen Wochenende haben wir den Kindern unser zukünftiges „zu Hause“ gezeigt. Ich gebe es offen zu: Ich hatte lange nicht mehr so viel Respekt vor einem Wochenende. 

 

Was würden wir tun, wenn die Kinder so gar nicht begeistert wären? Was wenn alle drei es ablehnen? Was wenn nur ein Kind es ablehnt und die Anderen begeistert sind? Wie positionieren wir uns dann als die Erwachsenen? Wie bereits im letzten Artikel erwähnt, sind wir ja die primären „Gewinner“ aus dem gemeinsamen Heim. Also in erster Linie und auf den ersten Blick.

Und ich war ungemein gespannt, wie meine Tochter reagieren würde. Gerade nachdem sie sich die letzte Wochen eher von mir entfernt hatte, konnte der Zeitpunkt kaum unglücklicher sein. Aber wir wollten es auch nicht mehr auf die lange Bank schieben.

 

Ich will gar nicht ins Detail gehen, wie sie es aufnahm, als ich ihr gesagt habe, dass eine Hausbesichtigung am Wochenende anstehen würde. Das sprengt dann doch den Rahmen hier und hat nichts in der Öffentlichkeit zu suchen. Was ich nur sagen kann ist, dass sich die anfängliche Reaktion übers Wochenende und mit vielen Gesprächen und viel „Nähe“ übers Wochenende gewandelt hat und wir uns jetzt alle fünf sehr darauf freuen, das Haus zu renovieren und zu unserem Heim zu machen. Und ich bin unendlich erleichtert.

 

Ich hatte mir schon ausgemalt, dass ich meine Tochter zukünftig noch weniger sehen würde, dass sie sich gar nicht darauf einlassen wollen würde. Denn sie ist ja schon jetzt irgendwie immer wieder „Gast“ oder „zu Besuch“ bei mir und ich habe ja berichtet, dass ich das Gefühl hatte, dass sie sich immer mehr von mir entfernt hat.

Die wenigen Tage im Monat bei mir sind sicher auch „zu Hause sein“ aber wenn man nicht das Wechselmodell lebt, dann gibt es für die Kinder sicher immer eine „Homebase“. Und das war in den letzten Wochen und Monaten nicht meine Wohnung und nicht die Zeit bei mir.

 

Und dann gilt es auch noch, sich an eine neue Umgebung, einen neuen Ort, neue Nachbarn, einen neuen Weg zur Schule (deutlich länger) zu gewöhnen. Es wird für sie nicht mehr möglich sein, mit dem Rad zur Schule zu fahren oder mal eben alleine von der Schule nach Hause zu gehen. 

Und: Ab dem Umzug gibt es auf den ersten Blick keine „exklusive“ Vater-Tochter Zeit mehr. Auf den ersten Blick. Denn es ist mein Ziel, auch weiterhin immer mal wieder exklusive Tage nur mit meiner Tochter zu verbringen, da ich denke, dass sie das Recht auf jeden Fall hat. Und ich wünsche es mir schließlich auch. Auch ich möchte darauf nicht verzichten!

 

Trotzdem wird die Umstellung für sie sicher am Größten. Allerdings nur an den Tagen, an denen sie dann bei mir ist. Für die Zeit bei der Mutter ändert sich ja nichts. Und das ist ja zur Zeit der Großteil der Tage im Monat.

 

Aber auch meine „Bonus-Söhne“ müssen sich umstellen. Das Haus steht zwar in dem Ort, in dem sie jetzt zur Zeit auch wohnen, aber der Schulweg ändert sich ja trotzdem. Auch sie geben ihr Nest der letzten Jahre auf, die vier Wände, in denen der Neuanfang ohne den eigenen Papa im Haushalt Fahrt aufgenommen hat. Und sie müssen vor allem damit klar kommen, dass plötzlich ein anderer Mann fest im Haushalt wohnt, ihr Leben begleitet und noch mehr prägt, dass sich plötzlich Regeln ändern und dass alle zwei Wochen am Wochenende ein Mädel mit dabei ist, das auch seinen Raum wahrnehmen möchte. (Und wir stehen auch kurz vor der Pubertät von zweien der drei Kandidaten. Das wird sicher ein großer Spaß.) 

 

Ihre Umstellung mag zwar auf den ersten Blick nicht so umfangreich sein, wie bei meiner Tochter, doch dafür trifft sie die Umstellung an deutlich mehr Tagen im Monat. 

Wenn man das ganze jetzt mathematisch angeht und die Veränderung „V“ sich aus den Änderungen „Ä“ multipliziert mit den Tagen „T“ berechnet (Formel V=Ä *T), ist es sicher schwer zu sagen, bei welchem Kind „V“ am größten ist, da einmal die Variable „Ä“ größer ist und einmal die Anzahl der Tage „T“. (Spätestens jetzt weiß ich wieder, warum ich im Mathe Abi verkackt habe)

 

Am Ende geht es aber darum, dass wir allen Dreien die Wärme und Nähe eines liebevollen zu Hauses schenken wollen. Alle drei sollen sich willkommen fühlen, alle drei sollen endlich wieder erleben, wie es ist, wenn ein Paar im Alltag liebevoll miteinander umgeht, wie es sich unterstützt und wie es sich gegenseitig Liebe und Kraft schenkt. Denn das haben sie vermutlich in den Jahren nach der Trennung ihrer Eltern (und oftmals auch schon die Monate/Jahre davor) nicht erleben dürfen.

 

Sie gewinnen einen vertrauensvollen und liebevollen Alltagsbegleiter dazu, sie erweitern ihren Horizont, erleben hoffentlich mehr „Harmonie“. Und vielleicht können wir ihnen vor allem mitgeben, wie wichtig es ist, als Paar wertschätzend, verständnisvoll und liebend miteinander umzugehen. Denn woher sollten sie sonst wissen, wie sie sich später mal, wenn sie selber eine Partnerschaft eingehen wollen, verhalten sollen? 

 

Wir sind Vorbilder!Wir sind die Menschen, die unsere Kinder (und Bonuskinder) fürs Leben prägen. Und bisher haben wir Ihnen vor allem sehr eindrucksvoll gezeigt, wie es ist, wenn man sich als Paar trennt. Und das vermutlich alles andere als vorbildlich. Sie haben mehr oder weniger bewusst erlebt, wie es ist, wenn Vater und Mutter sich trennen, wenn sie sich ständig streiten, wenn sie sich vielleicht sogar gegenseitig schlecht machen oder im schlimmsten Fall wurden sie sogar als Waffe gegen den Ex oder die Ex benutzt. Und sowas bleibt im Kopf, in der Seele hängen. Ich habe erst vor wenigen Tagen anhand eines eigenen, kleinen Flashbacks bei meinen Eltern erlebt, wie sehr das prägt und in uns hängt. Auch noch 30 Jahre später.

 

Und jetzt ist es an uns, es Ihnen nicht nur so leicht wie möglich zu machen, mit der Veränderung klar zu kommen, sondern auch, Ihnen das Vertrauen in die Liebe und eine vertrauensvolle Partnerschaft mit auf ihren Lebensweg zu geben. 

 

Und das sollten wir bei allen Gedanken über die Veränderungen im Leben unserer Kinder sicher einfach nicht vergessen. Wir bieten Ihnen die Chance, unglaublich viel zu gewinnen. Wir nehmen Sie mit in unsere Welt. Und wir zeigen Ihnen, wie schön Liebe sein kann und schenken Ihnen hoffentlich die Hoffnung, dass sie selber einmal eine glückliche Partnerschaft leben können und jetzt auch erleben, wie wundervoll eine Beziehung sein kann. Und genau dafür ist die Patchworkbande doch auch da. 

 

 

Und ich freue mich darauf. Und nach diesem Wochenende noch mehr als davor!

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