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Tag 44 - Patchworkbande 2.0

Es war wieder lange ruhig hier. Ruhe kann ja verschiedene Gründe haben. Es kann besorgniserregenden Ruhe sein oder auch die Ruhe vor dem Sturm oder aber die Ruhe vor der großen Bescherung. Was ist es in meinem Fall?

 

Nun, wie bereits ziemlich deutlich angedeutet, stand ja ein gemeinsames Heim für die Patchworkbande auf der Agenda. Und das haben wir jetzt  bezogen. Seit Anfang des Monats haben wir ein gemeinsames Heim mit kleinem Garten. Dazu kam, dass wir den Kindern schon vor Jahren zugesagt hatten, einen Hund mit in die Patchworkbande aufzunehmen. Und da der Zeitpunkt aus gewissen Gründen günstig war, ist bei uns eine Woche nach unserem Einzug auch noch ein weiteres Mitglied unsere Patchworkbande eingezogen. Er heißt „Fado“, ist ein Labradoodle, war beim Einzug süße neun Wochen alt und wird zukünftig auch eine große Rolle in unserer Patchworkbande und  in diesem Blog spielen.

 

Und ja, wir wohnen erst 10 Tage hier und ich kann wirklich sagen, dass das nochmal eine andere Herausforderung für alle Patchworkbeteilligten ist. Ich werde hier und heute nicht auf vieles eingehen können, da hier überall noch Kartons stehen und der kleine Fado momentan nicht so viel schläft, wie gedacht und schon ziemlich neugierig und frech ist aber was ich schon sagen kann: Die letzten Wochen waren ein verdammt großes Abenteuer.

 

Es fängt schon beim Thema Umzugsplanung an. Denn wenn man nunmal Mitte 40 ist, hat man zwar viele Freunde und Bekannte, die schon Umzugserfahrung haben aber auch mindestens genauso viele, die „Rücken“ oder „Hüfte“ oder den bekannten „5 Kilo Schein“ haben. Und man selber ist ja auch nicht mehr Mitte 20. Nach Wochen der Hausrenovierung, des Streiches und Fußboden Verlegens, stellt man abends im Bett liegend fest, dass der Körper doch noch mehr Schmerzen fühlen kann als nach dem Besuch im Fitnessstudio nach drei Wochen Trainingspause.

 

Im nächsten Schritt stellt man dann fest, dass Umzugsfirmen und deren Mitarbeiter auch eine besondere Spezies ist, macht wunderbare und völlig erschreckende Erfahrungen mit „Ebay Kleinanzeigen“ (dem jungen Paar, das mein altes Bett gekauft hat: mit „viel Spaß in meinem alten Bett“ meine ich NICHT einen guten und erholsamen Schlaf) und an alle anderen: mein „letzter Preis“ ist „lasst mich mit so einem Kack in Ruhe“. Und was ich wirklich noch nie erlebt habe war, dass mir ein Interessent die Fahrtkosten zur Besichtigung der Waschmaschine aufs Auge drücken wollte („isch bin extra 35 Kilometer mit einem Transporter hier her gefahren. Wer bezahlt mir das?“), weil sie seiner Meinung nach nicht so wie beschrieben war. Und als er sie dann am Ende doch gekauft hat, wollte er sie alleine mit einer Sackkarre aus dem zweiten Stock ins Auto wuppen. Wobei, nein, sein Sohn war ja dabei. Ungefähr fünf Jahre alt und so neugierig und eigenständig, dass er am Ende meine ganze Wohnung kannte.... Er war also keine echte Hilfe. Und schon passierte das, was ich eigentlich verhindern wollte und worüber mein Rücken alles andere als erfreut war. Aber was tut man nicht alles. Ich glaube, ich schreibe nicht nur ein Buch über die Patchworkwelt sondern auch über Ebay Kleinanzeigen. Und verdammt nochmal, mit 45 ist man echt keine 20 mehr....

 

Und zurück zu den Umzugsfirmen. Wir hatten 34 Grad, meine Wohnung liegt im Dachgeschoss und das Treppenhaus wird zusätzlich noch durch den im Erdgeschoss befindlichen Bäcker und seinen Brötchenofen aufgeheizt. Ja, das ist kein Geschenk. Und natürlich habe ich mich nach dem dritten oder vierten mal Treppe gehen selber gefragt, wer so einen Job denn wohl zum Mindestlohn (wenn überhaupt) macht. Und die Antwort war schnell gefunden. Und tief in mir steckt ein großer Respekt vor allen Umzugsmalochern, die häßliche und eingestaubte Schränke durch viel zu kleine Treppenhäuser an viel zu übervorsichtigen Besitzern vorbei schleppen und jeden Tag aufs neue feststellen, dass es zu wenig Hände und zu wenig Zeit für zu viele Möbel gibt. Und ich habe den Spruch „gutes Personal ist schwer zu finden“ für mich um einen Zusatz erweitert : „Gute Chefs sind noch viel schwerer zu finden“. Aber da erspare ich Euch die Details.

 

Aber ist das ein Grund, so seine Körperhygiene zu vernachlässigen und am Abend vorher nur billigen Alkohol zu trinken? Ich glaube ein Funke im Treppenhaus, hätte mich damit konfrontiert, ob eine Hausratversicherung auch ein Feuer am Tage des Umzugs zahlt, wenn es eine Alkoholverpuffung im Treppenhaus gibt.

 

Und nein, das liegt nicht an meiner „Geiz ist geil“ Mentalität. Ich habe nicht den billigsten Anbieter genommen. Im Gegenteil. Nach meiner eigenen, beruflichen Zeit bei einem großen Internetvergleichsportal habe ich auch nicht diese Quelle genutzt, um den Preis zu optimieren. Doch auch so wird mir dieser Tag für immer in Erinnerung bleiben. Ist ja auch was schönes. Und die 126 Stockwerke an dem Tag, die ich laut meiner Smartwatch geschafft habe, nimmt mir auch keiner mehr. (Wer braucht schon Fitnessstudios?)

 

Und als ob das alles nicht schon lustig genug gewesen wäre, war dann da ja noch die zweite Wohnung. Und auch das habe ich völlig unterschätzt. Es ziehen ja nicht zwei Singles in ihre erste gemeinsame Wohnung, weit gefehlt. Es ziehen zwei kleine Familien zusammen. Und dementsprechend gibt es fast alles doppelt. Von Waschmaschine, Trockner über Kaffeemaschine bis hin zum Sofa. Und was darf jetzt bleiben und was muss gehen? Das hätte eine echte Belastungsprobe für unsere Beziehung sein können. War es zum Glück aber nicht (was am Verständnis meiner Frau lag und vermutlich nicht an meiner Sanftmütigkeit. So verdanke ich ihr auch, dass mein Plattenspieler einen Platz ihm Wohnzimmer erhalten durfte).

 

 

In den nächsten Wochen werde ich sicherlich wieder öfter etwas online stellen, weil sicherlich viele Leser hier gerade der Anfang des gemeinsamen Heims und die Probleme und Highlights besonders interessieren. Und mich natürlich auch. Also schaut gerne wieder öfter vorbei. Ich kann jetzt schon sagen, dass nach zehn Tagen jetzt schon klar ist: Patchwork steckt voller Überraschungen.