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Tag 46 - Ein kurzer Blick zurück

Ein Monat ist es jetzt her, dass ich meine „Single-Wohnung“ aufgelöst habe und wir leben uns in unserem neuem zu Hause weiterhin ein. Ein Monat voller Herausforderungen, ungeahnter Gefühlsmomente, wenig Schlaf und einem neuen vierbeinigen Patchworkbandenmitglied. Und heute möchte ich ma zurückblicken auf das, was das „zusammenziehen“ auch so mit sich brachte.....

 

Vor etwas über einem Monat war ich gerade dabei, meine Umzugskartons zu packen. Und beim Ausmisten von Dingen, die nicht mehr ins neue zu Hause mitkommen sollten. Klingt erstmal nach einer positiven Grundsituation voller Vorfreude. Doch das war nicht die ganze Zeit so. 

 

Denn was passierte in mir? Ich war nach der Trennung von der Mutter meiner Tochter ziemlich „holterdiepolter“ in meine Wohnung gezogen und hatte sie an einem Wochenende komplett schwedisch eingerichtet, da mir nur das schwedische Möbelhaus garantieren konnte, dass alle Möbel vor Ort lieferbar waren und ich nicht nochmal sechs bis acht Wochen warten wollte. Und ich war damals in die Wohnung mit der Einstellung gezogen, dass ich da schon nicht so lange wohnen würde, da ich zu dem Zeitpunkt davon ausgegangen war, dass ich schnell eine neue Partnerschaft finden würde und dann meinen damals gerade beendeten Lebenstraum nochmal neu leben würde (Haus, Baum, Kinder, ihr wisst, was ich meine). Und aus „nur mal kurz zur Überbrückung“ wurden dann acht Jahre. Acht Jahre, in denen diese drei Zimmer mit Balkon unterm Dach mein zu Hause wurden, das zu Hause von meiner Tochter wurde, wo ich die Einsamkeit verflucht und die Freiheit zu tun und zu lassen, wann und wie ich will, unglaublich lieben gelernt habe. Wo ich gelernt habe, wieder auf eigenen Füssen zu stehen, mich aus dem Tal der Tränen nach der Trennung wieder ans Licht gearbeitet habe. 

 

Ich habe mein eigenes Leben gelebt, musste auf so gut wie niemandem Rücksicht nehmen und habe meine Entscheidungen selber und alleine getroffen. Und nachdem es sich am Anfang ganz fürchterlich angefühlt hat, war es am Ende gar nicht mal so schlecht. Und dieses Refugium würde ich aufgeben?

 

Wir hatten monatelang nach einem geeigneten Wohnobjekt gesucht, die Entscheidung, zusammen zu ziehen, war schon viel früher getroffen worden. Doch an den Tagen, als ich meine Kartons gepackt hatte, als ich unendlich viele Säcke mit Müll zur Deponie gebracht habe, da ging es dann ans wirklich Umsetzen. Und das war dann doch noch mal ein ganz anderen Gefühl. Und das sollte jedem klar sein, der vor einer ähnlichen Situation steht und in diesen Momenten nicht dem Zweifel erliegen!

 

Als Patchworkbande ein gemeinsames Heim zu haben, ist für mich ein unglaublich tolles Gefühl. Und ich habe es mir auch wirklich von Herzen gewünscht. Trotzdem war es dann in dem Moment alles andere als leicht, die letzten Jahre der Freiheit aufzugeben. Und natürlich ging mir der Gedanke auch mehr als einmal durch den Kopf: „Was, wenn es wieder scheitert?“ Denn wir sind nicht nur älter, haben nicht nur zu viel „Rücken“ für den Umzug, wir haben auch einige Erfahrungen mehr gemacht, als beim letzten Umzug. Und wir haben die Erfahrung gemacht, wie der „Lebenstraum" platzt. Wir haben den „Lebenstraum“ der Familie, die dann im gemeinsamen Haus alt wird und die später die Taufen der Enkelkinder gemeinsam feiert schmerzhaft beerdigt. Und diese Erfahrung war so schmerzlich, dass sie auch jetzt, Jahre danach, in solchen Momenten plötzlich sehr präsent im Kopf und vor allem im Bauch und im Herzen ist.

 

 

Doch es heißt ja nicht umsonst „Neuanfang“. Das habe ich mir immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Ein „neuer Anfang“. Und nur wer den kompletten neuen Anfang wagt, kann am Ende an dem Ziel ankommen, dass er sich gesetzt hat. Und diesen Neuanfang wagen wir. Zu fünft. Oder zu sechst, wenn man Fado mit dazu zählt. Zwei von uns wagen es ganz bewusst, weil wir unser Leben miteinander teilen wollen und wir uns aus tiefstem Herzen lieben. Drei von uns wissen vermutlich noch nicht, was sie so wirklich davon halten sollen und hatten auch keine wirkliche Wahl. Doch wer weiß? Vielleicht feiern wir dann hier die Taufe der Enkelkinder? Schön wäre es. Doch bis dahin haben wir ja noch viel Zeit und vieles zu erleben.