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Tag 48 - Quo Vadis Taschengeld?

Heute mal wieder das leidige Thema Geld. Klar, da kommt der Ex-Banker in mir durch. Oder der unterhaltspflichtige Vater. Nein, eigentlich komme ich darauf, da ich für mein anderen Blog www.systemisch-digital.de/blog einen Beitrag zum Thema „mobile payment“ geschrieben habe. Mich nervt es nämlich ziemlich, dass ich in vielen Geschäften noch nicht mit meiner Smartwatch bezahlen kann. Wenn ihr dazu etwas ausführlicher etwas lesen wollte, schaut gerne auf meinem anderen Blog vorbei.

 

Heute und hier soll es aber um meine Patchworkbande und nicht um den Bäcker um die Ecke gehen. Ich habe zu dem Thema schon einen Beitrag geschrieben (https://www.patchworkvater.de/2018/03/14/tag-5-papa-was-sind-eigentlich-bitcoins), doch da der schon wieder 1,5 Jahre alt ist und ich das Thema heute aus einer anderen Richtung beleuchten werden,, will ich es erneut thematisieren. 

Meine Tochter bekommt jede Woche von mir Taschengeld. Mein Bonussohn, der gleich alt ist, bekommt von seiner Mutter aber zur Zeit nicht regelmäßig sein Taschengeld in bar ausgezahlt, da es unter anderem für die laufenden monatlichen Kosten der Spielekonsole genutzt wird.. Doch dummer Weise hat gerade er einen großen Wunsch, den er sich in einiger Zeit erfüllen möchte. Aber lest selbst.

 

Am vergangenen Montag habe ich mit den beiden großen Kindern einen Fahrradausflug zum Fahrradladen im Nachbarort gemacht. Und wie es halt so in einem Fahrradladen ist, standen da Räder……natürlich schöne, neue, glänzende Räder, viele davon mit Elektromotor. Kann mir mal einer sagen, warum zur Hölle in jedem Fahrradladen am Eingang die fetten E-Bikes stehen und man schon ganz nach hinten in den dunkelsten und staubigsten Bereich gehen muss, um überhaupt noch Räder ohne Motor zu finden? Was macht das denn mit unseren Kindern, bitte? Ach ja, und nach den E-Bikes kommen dann die  Mofas. Okay, das war auch früher schon so.

 Meine beiden Begleiter waren 12 Jahre alt und daher fühlt sich  der Mofaführerschein ja nicht mehr so weit weg an. Und während mein Bonussohn ganz Feuer und Flamme für den Gedanken ist, Roller zu fahren, war meine Tochter da eher reserviert und zurückhaltend. 

Schnell ging es um die Frage, wie er denn aber das Geld für den Roller zusammen bekommen solle? (Patchworker schwimmen nach meiner Erfahrung oftmals nicht im Geld.) Auf der Rückfahrt (noch immer auf Rädern ohne Motor)  kamen wir auf die alte Idee, einfach im örtlichen Altenheim die klassische „ich kaufe für Sie ein“ Dienstleistung anzubieten. Kennt der eine oder andere vielleicht noch aus seiner Jugend, oder? Gerade Donnerstags hat man diesen Gang zum lokalen Supermarkt ja gerne gemacht, weil dann die Bravo und Dr. Sommer….ich schweife ab.

Dumm nur, dass es ja sogar vom Rewe mittlerweile einen Lieferservice gibt. Es gibt also Konkurrenz. Als es aber darum ging, was er denn für einen Einkauf als „Preis“ nehmen könnte, war der Wunsch doch eher Vater des Gedanken. Und dabei fiel mir mal wieder auf, dass es auch für die junge Generation kaum eine Chance mehr gibt, ein Gefühl fürs Geld zu bekommen.

Ich bin wie gesagt ein großer Freund vom mobilen (also bargeldlosen) Bezahlen, doch was lernen unsere Kinder davon? Einkaufen was das Zeug hält und mit der Uhr bezahlen. Früher hieß es wenigstens noch „Bezahlen Sie mit Ihrem guten Namen“. Heute ist wahrlich „Zeit auch Geld“.

 

Mein kleiner Bonussohn wird bald acht und wenn es nach ihm ginge, würde er nur Geld für den Google Playstore bekommen (nicht verraten: wird er aber nicht). Der Große investiert sein Taschengeld quasi direkt in die Xbox. Und er sieht nicht mal, wie das Geld da jeden Monat in Form eines Abo´s rein geht. Wie soll man denn da als Kind lernen, mit Geld umzugehen? 

 

Ich habe mir „damals“ noch viele Wünsche selber zusammen gespart. Ich hatte schon als Erstklässler stets 20 Pfennig dabei, damit ich im Notfall zu Hause anrufen konnte. Und oft genug habe ich die 20 Pfennig für eine Kugel Eis ausgegeben und dann zu Hause nach neuem Geld gefragt. Die drei ??? Kassetten kosteten knapp 6 Mark (das wären jetzt 3,12€). Auch das galt es zusammen zu sparen, wenn Oma nicht wieder großzügig war (doch das war sie so oft). Und die „Lustigen Taschenbücher“ (jetzt: LTB) lagen auch bei knapp fünf Mark, glaube ich. Auch diese habe ich oft aus meinem Portmonee bezahlt. Von meinem Taschengeld und dem, was ich so zugesteckt bekommen habe. Ich habe ja bereits darüber berichtet.

 

Also wie bekommen wir es hin, dass unsere Kinder den Umgang mit Geld lernen, dass sie wissen, dass man für Geld etwas tun muss und dass man auch mal auf Konsum verzichten muss, um sich einen größeren Wunsch zu erfüllen?

 

Sind wir vielleicht auch eine zu „milde“ Elterngeneration? Wir zahlen meiner Meinung nach deutlich mehr für unsere Kinder, als meine Eltern das früher gemacht haben. Oftmals auch, weil es einfach einfacher ist:

Gibt es ein neues Hörbuch für meine Tochter - kaufe ich es bei Audible von meinen Guthaben (ist ja auch ein Abomodell). Gibt es einen tollen Film zu sehen, ist er ja im Rahmen Amazon Prime oder Netflix schon bezahlt oder wir leihen ihn halt aus. Geld fließt da trotzdem nicht über den Tresen…also rein körperlich betrachtet. Sind ja auch nur ein paar Euro. Sucht man mal ein neues Brettspiel, macht man es vielleicht gleich bei Amazon und es wird bestellt. Kein Bargeld fließt. Und überhaupt diese ganze Menge an Abo´s. Das gab es früher ja so gar nicht. Amazon Prime, Netflix, Apple Music. Meine Eltern haben den Beitrag für den Fußballverein gezahlt und die GEZ. Das war es doch schon, oder?

 

Und so zahlt man jeden Monat ganz unauffällig einen Haufen Geld  und es gibt eine Auswahl an Serien, Spielen & Songs, die nahezu grenzenlos ist. Und kein Kind merkt, dass dafür jeden Monat 50€ und mehr ausgegeben werden. Über Handyverträge und Smartphone der neusten Generation sprechen wir einfach besser nicht, sonst schweife ich zu weit ab.

 

Zurück zur Ursprungsfrage. Wie sollen wir unseren Kindern ein Gefühl für den Wert von Geld vermitteln? 

 

Der erste Idee von meinem Bonussohn war, pro Einkauf 10€ als Preis zu verlangen. In Worten: zehn Euro! Woher soll auch das Gefühl kommen, dass nur wenige bis gar keine alten Damen oder Herren 10€ ausgeben werden, um ihre Lieblings-Schnappspralinen geliefert zu bekommen. Ich habe mich auch gefragt, wann ich zuletzt erlebt habe, dass meine Tochter sich von ihrem Taschengeld etwas gekaut hat. Ich kann mich nicht erinnern. Wann hat sie jemals auf einen groben Traum gespart? 

Das ist bei meinem großen Bonussohn schon anders. Er hat sich ein Hover-Board von seinem Geld gekauft. Hat er darauf  hin gespart? Nein. Aber er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, weil er schon wusste, dass damit ein Großteil seines Ersparten ausgegeben war. 

Ach ja, in einem anderen Fall ist der Wert des Geldes dann doch bekannt. In dem Fortnite Account steckt ein dreistelliger Betrag. Der ist heilig. Ich weiß gar nicht, ob meine Eltern mir jemals erlaubt hätten, so viel Geld in virtuelle Gegenstände zu investieren. Aber es gab ja auch keine zu kaufen. Also erübrigt sich die Frage.

 

Wieder zurück. Sind wir einfach zu großzügig? Nehmen wir unseren Kindern damit frühzeitig die Chance, zu lernen mit dem eigenen Geld umgehen zu können? Als Banker habe ich es allen Eltern ans Herz gelegt: „Je früher die Kinder ein eigenes Konto bekommen und lernen, mit ihrem Geld hauszuhalten, desto leichter haben sie es als Erwachsene.“ Und davon bin ich sogar wirklich überzeugt. Doch momentan….wofür sollten sie ein Konto brauchen? Sie zahlen ja fast nix selber. Und ein Konto fürs Kinder eröffnen, wenn die sogenannten „gesetzlichen Vertreter“ getrennt sind, ist gar nicht so leicht. 

Also helfen wir ihnen und bezahlen die Kleinigkeiten halt selbst. Wir machen das für sie. Aus gut gemeintem Antrieb. Doch etwas gut meinen und etwas gut machen sind zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe.

 

Was denkst ihr? Wie handhabt ihr die Taschengeldfrage? Was kaufen sich eure Sprösslinge? Und wie einheitlich regelt ihr das in der Patchworkfamilie?  

 

(Photo by Imelda on Unsplash)